Peter Scholl-Latour – Der Weg in den neuen kalten Krieg

Das Buch ist eine Zusammenstellung politischer Analysen diverser politischer Brandherde und umfasst den Zeitraum von 2001 bis 2008.

Es fällt wie immer schwer, sich dem koddrigen Charme von Peter dem Großen zu entziehen, alle seine Bestandsaufnahmen spiegeln auch seine jahrzehnte- lange journalistische  Erfahrung wieder. 

Ich bin auch bei einigen seiner Schlussfolgerungen bei ihm, etwa wenn er die seit einigen Jahren grassierende Umwelthysterie geißelt.

Gleichwohl halte ich PSL für maßlos überschätzt.

Er verlässt auch in diesem Buch seine übliche Linie nicht, die – vornehmlich westlichen – Staatsführungen und dabei speziell die in der Tat unsägliche Bush-Administration (die reale Antwort auf „Le Chiffre“) herunterzumachen und ihnen vorzukauen, wie saublöde mal wieder die eine oder andere Entscheidung gewesen sei.

Scholl-Latour verzichtet – ebenfalls wieder einmal – darauf, auch nur den Hauch einer Überlegung anzufügen, wie man dieses oder jenes Problem denn hätte anders oder besser lösen können. Das erwarte ich aber von einer Analyse, die ernst genommen werden will.

Hinzu kommt ein gelegentlich mehr als simples Argumentationsmuster.

Scholl-Latour kommentiert beispielsweise den von Scharon angeordneten Truppenabzug aus dem Gazastreifen mit dem bekannten Argument, das sei schon deshalb falsch gewesen, weil man „im Orient“ Entgegenkommen als Schwäche auslege.

Dieses Argument habe ich schon im Zusammenhang mit Camp David II nicht verstanden.

Geht es denn darum, einem ölig lächelnden Turbanträger einen staubigen Teppich abzukaufen oder geht es um das Schicksal eines jahrzehntelang herumgestoßenen Volkes ohne Hoffnung, dessen politische Vertreter doch eigentlich den Anspruch erheben, genau dieses immer und immer wieder vergeblich verhandelte Schicksal zum Besseren zu wenden?

Wie kann ich dann die Form der Verhandlung oder auch nur die Erwartung einer der beiden Verhandlungspartner, diese Verhandlungen würden nach einem nur in seinem Kulturkreis jahrhundertelang praktizierten Ritus erfolgen, als ernst zu nehmendes Argument dafür heranziehen, eben diesen Verhandlungspartner vor dem Hintergrund des Scheiterns zu exkulpieren, vor allem, nachdem wie mitgeteilt zuvor ja schon immer und immer wieder verhandelt worden war?

Ungeachtet dessen sind Scholl-Latours Analysen gelegentlich auch von einer beträchtlichen Einäugigkeit.

Vornehmlich der Westen bekommt sein Fett weg, Dinge wie die Morde an Alexander Litwinenko oder Alexander Politkovskaya werden dagegen a priori nicht notwendig bei Herrn Putin verortet, sondern anderen düsteren Kreisen zugewiesen, wobei der Tschetschenien-Feldzug und dessen Folgen ohnehin völlig ausgeblendet werden. 

Oskar Lafontaine wird übrigens auch als fähiger Ex-Ministerpräsident des Saarlandes  bezeichnet.

Aus seinen politischen Vorlieben macht PSL jedenfalls keinen Hehl.  Vielleicht auch deshalb ist das Buch für mich ausdrücklich KEIN must-have.

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