Wolf Schneider – Der Mensch - Eine Karriere

Auf Wolf Schneider kam ich durch Jan Fleischhauers gnadenlose und wie ich finde genial(isch)e Abrechnung mit den Linken (zugegeben wurden bei mir offene Türen eingerannt).

Schneider kann als journalistischer Förderer Fleischhauers durchgehen und er verabschiedete sich in den Ruhestand auf Mallorca mit den Worten „Ich kann nicht verhindern, dass ich älter werde, aber ich kann verhindern, dass es dabei regnet“.

Wer solche Bonmots kreiert, der kann kein Schlechter sein, dachte ich mir auf Korfu und erwarb sein jüngstes Werk unmittelbar nachdem ich wieder bundesdeutschen Boden betreten hatte.

Man muss sich rein finden, Schneider verwendet einige Kapitel darauf, die Entwicklungsgeschichte des Menschen darzustellen, um dann unvermittelt ca. 2000 Jahre zu überspringen, was man versteht, wenn man in die "Neuzeit" eintaucht.

Sein Fokus liegt auf einem Mix aus geschichtlicher Wissensvermittlung, Beschreibung dessen, was aus seiner Sicht falsch läuft und warum das seiner Meinung nach so ist. 

Mit zunehmender Seitenzahl schreibt er sich in Wallung und seine Schlussfolgerungen sind dann ebenso logisch wie nachvollziehbar. Ihm ist die neben der Schweinegrippe grassierende political correctness erkennbar zuwider und das macht sein Buch so lesenswert und sympathisch. Er ist – wohl in Folge seines Alters, jedenfalls auf Grund seiner Lebenserfahrung – offensichtlich völlig unbestechlich, ohne verletzend sein zu wollen, so dass das Buch meines Erachtens nicht nur einen allgemeinen Überblick über das verschafft, was erkennbar im Argen liegt, sondern auch Anhaltspunkte für das eigene Verhalten liefert, ohne dass man ständig den moralischen Zeigefinger im Hintern verspürt.

Die Betonung liegt allerdings auf "allgemein", denn allzu sehr in die Tiefe geht Schneider - auch nach eigenem Bekunden (Nachwort!) - nicht, vieles kennt man oder kommt einem bekannt vor und bei einigen wenigen Kapiteln hat man den Eindruck, als habe Schneider selbst nicht so recht gewusst, was er sagen bzw. zu welchem Schluss er kommen will.

Das dürfte unter anderem aber auch der Komplexität des Themas geschuldet sein und in diesem Zusammenhang ist toll, mit welcher Sicherheit Schneider aus dem Potpourri denkbarer Themen Relevantes herausgefiltert hat. Mir hat das Buch aber auf jeden Fall Spaß gemacht, soweit "Spaß" beim Ernst der Lage der richtige Ausdruck sein kann, nennen wir es also eher Lesevergnügen.



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