Alessandro Barbero - Das schöne Leben des Edelmannes Robert Pyle und die Kriege der Anderen

Dieses Buch habe ich mir bereits 1997 gekauft und es bis zur Hälfte gelesen, dann aus nicht mehr einnerlichen Gründen abgebrochen. Das Buch war reif, ich war aber nicht reif für das Buch, daher aktuell - 2013 - der nächste Versuch.

Das Buch ist wie eines dieser Koffertheater. Man öffnet den Koffer und die ganze Szenerie entfaltet sich, das Spiel beginnt. Barbero schafft es, die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts (quick)lebendig werden zu lassen. 

Pyle ist amerikanischer Abgesandter in geheimer Mission, der die aktuellen politischen Strömungen in Europa, nach wie vor im Bann Bonapartes, erfassen und nach Hause melden soll. Dazu schifft er sich 1806 nach Amsterdam ein und reist nach Berlin, von dort aus Richtung Osten u.a. nach Warschau und anschließend wieder nach Westen über Dresden nach Weimar, wo er dann am Ende auch die katastrophale Niederlage der Preussen in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt miterlebt. 

In irgendeiner Kritik wird erwähnt, er stelle die Deutschen positiv dar. Das kann ich nicht bestätigen, die meisten seiner Personen sind fett, klein, hässlich und/oder beschränkt. Das spielt letztlich keine Rolle, denn die Erzählung ist mit derart viel Lokalkolorit und schön geschrieben, dass man fast meinen könnte, Barbero habe das alles selbst erlebt.

Ich wage mir gar nicht vorzustellen, welches Quellenstudium nötig war, um diese Zeit wieder aufleben zu lassen.

Ein Genuss für Leute, die Bücher auch dazu nutzen, in andere Personen und andere Zeiten zu schlüpfen, von genial(isch)en Autoren auf dieser Reise einfach an die Hand genommen.

Ich mag das Buch.

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