Wie ich mal versucht habe, ein Kurzabo zu ordern.


„Ihre Bestellung:  WELT am SONNTAG Kurzbezug 13 für 11
Prämie: 15 € Shell-Gutschein“


So lautete meine Bestellung der „Welt am Sonntag“, nachdem ich endlich meinem Abo der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ entronnen war, deren Lektüre ich nicht mehr benötige, mein Blutdruck ist so schon zu hoch.

Also schaun mer mal, sagt ja nicht nur der Kaiser, sondern auch der Blinde.


Der Preis für diese 13 Ausgaben lag bei 40,70 Euro und wurde von mir am Tag der Rechnungsstellung, am 3.7.2015 ordnungsgemäß auf einem der vorgegebenen Zahlungswege – per PayPal – bezahlt.


Starten mit der Belieferung sollten wir am 12.7.2015.


Am 6.7.2015 erhielt ich vom Kundenservice der Welt einen Begrüßungsbrief, den ich nur überflog.


Alles lief, bis zum 28.7.2015.


Da bekam ich per Mail eine Zahlungsaufforderung über 42,90 EUR, die mich einige Tage später auch per Post erreichte.

Ich glaubte an einen Fehler und checkte meinen PayPal-Account.

Dort fand ich die Zahlung als am 3.7. von mir freigegeben und übermittelt, der Status wurde als „offen“ bezeichnet.

Ich rief bei PayPal an, wo man sehr hilfsbereit war.


Ich hätte alles Erforderliche getan, der Empfänger habe die Zahlung aber nicht „aktiviert“. Wenn ich beim Kundenservice der Welt anriefe, dann könne man sich von dort gerne mit PayPal in Verbindung setzen, falls Fragen offen seien.


Ich bedankte mich, legte auf und wählte die Nummer des Kundenservices der Welt. 


Als ich die ersten Worte mit der Dame vom CallCenter gewechselt hatte, verkrampften sich Eingeweide und Rosette unwillkürlich, da die sofort bemerkbare atemberaubende Ahnungslosigkeit ungute Erinnerungen an eine Korrespondenz mit dem sog. Kundenservice der Telekom auslöste.


Die Dame erklärte mir, nachdem ich ihr den Sachverhalt geschildert hatte, ja äh, da müsse sich mich zu „der Kollegin“ vermitteln, aber halt, die sei ja nicht da. Sie gebe aber alles weiter.


Da man Füchse fangen muss wenn sie jung sind, fragte ich sie, was genau sie weiterzugeben gedenke und meine Vermutung bestätigte sich – ich schilderte also alles noch mal von A bis Z und dann schien es am anderen Ende der Leitung auch zu sitzen.


Da Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist und ich meine Pappenheimer kenne, feuerte ich am 29.7. eine Mail an den Kundenservice hinterher, in der ich in Kurzfassung den Sachverhalt noch mal schilderte.


Und jetzt kam der Kundenservice ins Rollen, die Reihen wurden geschlossen, Visier unten, Lanze oben.


Am selben Tag – die Reaktionszeit begeisterte mich – erreichte mich eine Mail vom Kundendienst mit folgendem Inhalt:


„Sehr geehrter Herr Hartmann,

Bitte teilen Sie uns dafür Ihre PAYBACK-Nummer mit.

Mit freundlichen Grüßen

WELT am SONNTAG Leserservice
Brieffach 2264 20350 Hamburg Tel.: 0800/9267537 E-Mail: leser@wams.de

DIE WELT GEHÖRT DENEN, DIE NEU DENKEN“


Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, ich hätte es mit einem zurechnungsfähigen Gegenüber zu tun und irren kann man sich ja mal.


Vielleicht habe ich in diesem Moment aber nur nicht realisiert, dass ich unrettbar in altem Denken verhaftet bin, denn die Welt gehört laut Welt-Slogan am Ende der Mail ja denen, die neu denken.


Ich antwortete also postwendend, dass es meines Erachtens hier nicht um Payback, sondern um PayPal ginge und was für eine Nummer man denn da genau wolle, die des Transaktionsvorgangs?


Bei meinem fest im Payback-Denken verhafteten Gegenüber führte das offensichtlich umgehend zur Kernschmelze in den Synapsen, denn hierauf hörte und las ich in dieser Frage nichts mehr.


Dem Kundenservice war damit allerdings klar geworden, dass man bei mir mit der üblichen Zermürbungstaktik nicht weiter kam. Man zündete Stufe 2.


Man schrieb also am 6.8., ich hätte meine „Bestellung und die Autorisierung vor der Preiserhöhung getätigt“, ein nochmaliger Einzug über PayPal sei nicht möglich.


Nochmalig?


Und was war das mit der Preiserhöhung?


Immerhin fantasievoll, dachte ich bei mir, man nahm mich dort also allmählich ernst, das war ein starkes, ermutigendes Zeichen.


Ich wies dann darauf hin, dass ich ein auf 13 Wochen befristetes Abo zu einem bestimmten = festen Preis geordert hätte und nun erstmals von obskuren Preiserhöhungen erführe.


Ich hätte den vereinbarten Preis auch rechtzeitig gezahlt und so ganz allmählich die Schnauze voll, die Korrespondenz mit dem Kundenservice ziehe mittlerweile mehr Kapazitäten ab als die Lektüre der übrigens reichlich dünnen Sonntagszeitung. 


Wenn man eine Preiserhöhung wolle, könne man mir hierüber ja eine Rechnung schicken. Kurz – man könne mir ansonsten ganz grundsätzlich in die Tasche steigen.


Junge, Junge, da hatte ich diese ausgeschlafenen Typen vom Kundenservice aber unterschätzt. Die dachten sich, täusch´ links an und schlag rechts, denn einen Tag später erreichte mich folgende Mail:


„Sehr geehrter Herr Hartmann,

es tut uns leid, dass Ihr Geschenk Sie noch nicht erreicht hat. Woran das liegt, prüfen wir gerade. Falls das Präsent noch nicht auf dem Weg zu Ihnen ist, versenden wir es umgehend.

Bei allen Fragen sind wir gern für Sie da – natürlich auch persönlich am Telefon.

Mit freundlichen Grüßen

WELT am SONNTAG Leserservice

Brieffach 2264, 20350 Hamburg Tel.: 0800/9267537
E-Mail: leser@wams.de

DIE WELT GEHÖRT DENEN, DIE NEU DENKEN“


Mit „Geschenk“ war die Prämie im Wert von 15 EUR gemeint, die ich bekam, weil ich das Abo abschloss. Die Prämie kam und wurde eingelöst, war nie ein Problem.


Ich fragte daher postwendend per Mail nach, ob sich Guido Cantz in der Nähe befinde und ich mich vielleicht in einer gruseligen Digitalkarikatur von „Verstehen Sie Spaß“ befände.


Damit hatte ich sie offensichtlich per lucky punch unterhalb der Gürtellinie getroffen, denn die Mail-Korrespondenz erstarb ab dort bis zum heutigen Tag.


Dafür erreichte mich vorgestern ein harsches Schreiben per Post, in dem von recht hässlichen Dingen wie Inkassobüro und Einstellung der Lieferung die Rede war, was mir aber nicht das Wochenende verdarb. Es war eher umgekehrt, denn ich griff nun zum zweiten Mal in dieser Affaire zum Telefonhörer.


Nachdem der Hals leer war, riss ich gedankenverloren den Umschlag eines weiteren auf dem Tisch liegenden Schreibens eines mir völlig unbekannten Absenders hin.


Vorstellig bei mir wurde die „cadooz rewarding excellence“ , ein Entrepreneur ebenfalls aus Hamburg, die mich barsch wissen ließ, man habe das Ganze überprüft, der Gutschein – besagtes Geschenk – sei an mich übersandt worden. Gleichzeitig wurde ich aufgefordert, eine beigefügte „rechtsverbindliche Erklärung“ zum Verbleib des Geschenks über 15,00 EUR ausfüllen und – auf meine Kosten – zurückschicken.


Ich habe nachgeschaut, eine Blut- und/oder Stuhlprobe musste gottlob nicht notwendig beigelegt werden.


Damit hatte der Irrsinn indes seinen absoluten Höhepunkt erreicht und ich wurde wieder an das neue Denken erinnert.


Vielleicht war es das.

Scheiß´ was auf ausgelatschte Trampelpfade der Kommunikation mit Kunden und scheiß´ was auf die Gesetze der Logik und Vernunft, denken wir „neu“, das ist frisch, das ist bunt, das ist kreativ, das ist die Zukunft.


Die findet dann aber ohne mich statt und klaro hat mich die Welt gesehen.


Die sollten sich ein Beispiel an Netflix und Amazon nehmen. Die Jungs waren schnell, geduldig und nicht tot zu kriegen. Ist ja auch kein deutsches Unternehmen.

 

Oktober 2015

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