Seit gestern ist das Buch da! Ich habe das Vorwort gelesen und mir ist bislang nichts unangemessen Völkisches aufgefallen, aber ich lasse mich überraschen.

 

Sarrazin wird heute Abend im Nicolaisaal in Potsdam unter erheblichem Polizei- und Saalschutz lesen.

Er wird also den Leuten, die sein Buch bislang nicht lesen konnten (weil es vergriffen ist), mitteilen, was er zu sagen hat und vorlesen, was in seinem Buch steht.

Das ist dem Antikapitalistischen Bündnis Potsdam (kleiner hatten sie es leider nicht) schon zuviel.

Nachfolgend die Thesen gegen Sarrazin, nachzulesen auf der Homepage dieser Volksfreunde.

Es wird jedem gleich auffallen, dass da nur von  "MigrantInnen" die Rede ist, mit Unterscheidungen, deren angebliches Fehlen im Buch Sarrazin ja immer vorgeworfen wird, hält man sich erst gar nicht auf. Erfolgsgeschichten von Migranten, die es ja mehr als zuhauf gibt und die gerade in den TV-Runden immer wieder belegt wurden, existieren in diesem Weltbild ebenfalls nicht.

Und auf Meinungsfreiheit erstreckt man seine Forderungen lieber auch nicht, weil man sonst natürlich ein kleines Logikproblem bekäme. 

Neun Gründe gegen die Hetze Sarrazins:

1. Indem Sarrazin eine düstere Bedrohung des Westens durch den Islam ausmalt und eine Islamisierungsgefahr Deutschlands konstruiert, knüpft er nahtlos an die Argumentation von FaschistInnen und Rechtsextremen an. Er schafft damit den Nährboden für eben diese rassistischen Einstellungen.
2. Die von Sarrazin behauptete Bedrohung des Wohlstandes in Deutschland durch EinwanderInnen ist zutiefst zynisch. Vielmehr ist es so, dass MigrantInnen als billige Arbeitskräfte und LohndrückerInnen missbraucht werden. Die derzeit praktizierte Ausländergesetzgebung soll sie disziplinieren indem ihnen rechtliche und politische Grundrechte verwehrt werden. Sie werden in unsichere Lebensverhältnisse gezwängt und kriminalisiert. Das Schüren von rassistischen Vorurteilen schafft die notwendige Akzeptanz für diese Praxis.
3. Sarrazin schürt Vorurteile über eine „mangelnde Integrationsbereitschaft“ von MigrantInnen und verschleiert so, dass die ökonomische, politische und soziale Lebenssituation der MigrantInnen das größte Hindernis für ihre „Integration“ ist. Sie leben dauernd mit dem Gefühl der Unsicherheit und Vorläufigkeit. Dies kann selbst der höchste Aufenthaltsstatus nicht ändern. Die Folgen sind Aufenthaltsbestimmungen, die das gesamte Familienleben beherrschen; Schwierigkeiten bei der Wohnungs- und Arbeitssuche; Probleme bei der Schul- und Berufsausbildung der Kinder; Arbeitslosigkeit und fehlende freundschaftliche und sozialen Kontakte.
4. Die Bildung von MigrantInnen-Communities, welche Sarrazin verteufelt, stellt dagegen eine notwendige Überlebensstrategie dar. Die MigrantInnen reagieren damit auf ihre alltägliche Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit in Deutschland.
5. Sarrazins These der Parallelgesellschaft impliziert, dass nur national homogene Gesellschaften konfliktfreie Gesellschaften wären. Das ist eine Fiktion. Er unterstellt, dass ihre kulturelle und nationale Identität unvereinbar mit hiesigen Wertevorstellungen wäre. Damit spricht er dieser Gesellschaft und der der MigrantInnen ihre Heterogenität ab und untergräbt Pluralismus und Akzeptanz für gesellschaftliche Minderheiten.
6. Durch Sarrazins Weltbild zieht sich wie ein roter Faden die Kategorisierung und Bewertung von Menschen nach einem „Nutzen“ für die Gesellschaft. Er unterstellt in rassistischer Weise, dass bestimmte Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft einen niedrigen Intelligenzquotienten hätten, um sich dann gegen den Verbleib dieser Menschen in unserer Gesellschaft auszusprechen. Damit schließt er an sozialdarwinistisches Denken an.
7. Indem Sarrazin die Arbeitslosigkeit zur Schuld der Erwerbslosen erklärt, verschleiert er die wirtschaftliche Situation in Deutschland, die schlicht nicht ausreichend Beschäftigung anzubieten hat.
8. Für die beschriebenen Zustände trägt Thilo Sarrazin als langjähriger Ministeriumsmitarbeiter und Minister politische Mitschuld! Zynischerweise wird er sich nun durch den massenhaften Verkauf seines Buches daran auch noch persönlich bereichern.
9. Mit der Debatte um Hartz 4-Leistungen, der rassistischen Hetze gegen EinwanderInnen und der Dämonisierung des Islam lenkt Sarrazin gezielt von den tatsächlichen politischen Skandalen ab. Die Privatisierung der Bahn, die Milliarden Bürgschaften im Berliner Bankenskandal und die Milliardenkredite in der Wirtschaftskrise: als ehemaliger Vorstand der DBAG und als Finanzminister ist Sarrazin selbst mitverantwortlich dafür, dass sich die Wohlhabenden auf Kosten der Armen bereichern.

Wir fordern:

* Kein Podium für rassistische Hetze – kein Podium für Hetze gegen Erwerbslose – kein Podium für Sarrazin!
* Volle rechtliche, politische und soziale Gleichstellung für MigrantInnen!
* Abschaffung der AusländerInnengesetzgebung!
* Weg mit den Kürzungen in sozialen Bereichen!
* Für eine solidarische Gesellschaft ohne Rassismus.

 

 

Sarrazin räumt seinen Bundesbankerstuhl, die Bundesbank zieht ihren Antrag bei Herrn Wulff zurück und dem wird ein ganzes Gebirge von der Seele gepoltert sein.

Wie ich heute in einem nachdenklichen Artikel gelesen habe - mit diesem Schritt gewinnt Sarrazin ein Gutteil seiner Freiheit zurück. Und er entschlackt die Diskussion, weil sie nicht mehr von persönlichen Grundrechten zum Job und damit weg vom eigentlichen Thema wandern kann.

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