Wohin geht die Reise, Imam Benjamin Idriz?

Der aus Mazedonien stammende Idriz ist zweifelsohne eine der schillerndsten islamischen Persönlichkeiten im Lande und hat von der verbalen Performance her sicher das Zeug, in diesem Land ganz wesentlich zum besseren Verständnis des Islam beizutragen. 

Der bayrische Verfassungsschutz, der Idriz und seine Islamische Gemeinde Penzberg (IGP) seit Jahren beobachtet, hat im Bericht 2010 wie folgt ausgeführt:

"...Der Imam der IGP hat im Berichtsjahr verschiedene Veröffentlichungen herausgegeben, in denen er für einen mit dem Grundgesetz vereinbaren Islam eintritt...", womit man u.a. sicher auf das von Idriz herausgegebene Buch "Grüß Gott, Herr Imam" abhebt, in dem Idriz u.a. bosnisch-muslimische Theologen aus der k.u.k.-Zeit zitiert:"... Sie hätten uns zwingen sollen, unsere Kinder in die Schulen zu geben, sie hätten uns zwingen sollen, den Frauen einen anderen Status in der Familie und Gesellschaft zu geben, wie ihn die neue Zeit verlangte...“.

Hört sich für mich nach einer neuen Brise an, gleichwohl schauen ihm die Schlapphüte weiter über die Schulter, warum ist nicht so richtig klar.

Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Idriz bis 2006 Mitglied von Milli Görüs war und angeblich Kontakte zu Ibrahim al-Zayat, dem Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde in Deutschland (IGD) hatte, dem wiederum Verbindungen zur ägyptischen Muslimbruderschaft nachgesagt werden und Oguz Ücüncü, dem Generalsekretär von Milli Görüs.

Beides sind nach Geheimdienstinfos angeblich Islamisten, Idriz sei als geschmeidige Galionsfigur vorgesehen, um Deutschland nach und nach islamistisch zu unterwandern.

Sehr viel könnte, hätte, würde also, auch wenn der Verfassungsschutz im Rahmen abgehörter Telefonate in Erfahrung brachte, wie al-Zayat Idriz im August 2007 zur Schnecke machte und ihn anwies, eine zuvor öffentlich getätigte Äußerung zur Verfassungs-feindlichkeit von Milli Görüs sofort zu revidieren, was dann auch geschah und das spräche ja nun nicht für einen freien und unabhängigen Geist.

Idriz scheint auch im Übrigen nicht immer mit offenen (oder nichtgezinkten) Karten zu spielen.

"Report" hat gestern in einem der Spartenkanäle der Öffentlich-Rechtlichen einen Bericht gebracht, dem zu entnehmen war, dass Idriz in seinem Internetlebenslauf einen Magisterabschluss der Al-Imam Al-Ouzai-Universität Beirut behauptet, von dem man in Beirut aber rein gar nichts weiß. Ein Studium habe er dort kurz begonnen, um es dann abzubrechen, einen Abschluss habe er nicht. Idriz gibt den Guttenberg?

Das Ganze geht aber noch weiter. Studiert haben will er am "Europäischen Institut für Geisteswissenschaften Chateau Chinon“, dessen Abschlüsse weder in Frankreich noch in Deutschland anerkannt sind und von Golfanrainerstaaten sowie Saudi-Arabien finanziert werden soll, was nicht auf besonders freigeistige Studien schließen lässt.

Prof. Gilles Kepel, Pariser Institut für politische Fragen charakterisiert das Institut jedenfalls wie folgt:

"...Chateau Chinon ist ein Ort, wo sie ein Islamverständnis vermittelt bekommen, das sich von der Tradition der Muslimbrüder, von Hassan El-Banna, Hassan Al-Hudaybi und anderen ableitet. Sie konzentrieren sich vor allem auf den islamischen Bereich, wo staatlich anerkannte Abschlüsse keine Rolle spielen...“.

Auf Vorhalt von "report" erklärte Idriz, die Angaben in seinem auch im Internet veröffentlichten (und in diesem Zusammenhang mittlerweile gelöschten) Lebenslauf stimmten. Punkt. Mehr gebe es nicht zu sagen.

Klingt nicht gut. Ob wir es mit einem wirklich sehnlich erwarteten Reformator und Aufklärer, einem Hochstapler, einer Matroschka oder einfach nur mit taqqiya zu tun haben, wird die Zeit erweisen. Ich hoffe, es wird das Erstere.

Zweifel sind angesichts der Kontakte des heiligen Herrn aber nicht verboten.

2.2.2012



Einer der beeindruckendsten Brückenbauer ist der Palästinenser Ahmad Mansour, der in Tel Aviv Psychologie, Soziologie und Anthropologie studierte und seit einigen Jahren in Berlin lebt, wo er unter anderem der Gruppe "Heroes" vorstand, um für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung etwa im Namen der Ehre zu werben und zu kämpfen.

Hier sein Aufruf anno 2012, den man zur Pflichtlektüre machen müsste:

"Vorab möchte ich etwas klar stellen:

Ich bin Muslim, aber Salafisten sind nicht meine Brüder, und ich bin auch kein Teil von irgendeiner imaginären, weltweit unterdrückten muslimischen Gemeinde, der so genannten Umma.

Salafismus repräsentiert mich als Individuum und als Menschen nicht. Sie repräsentieren den Islam nicht – nicht wie ich ihn verstehe! Im Gegensatz zu ihnen sind für mich Meinungsfreiheit, Demokratie, Menschenrechte und Toleranz keine Einbahnstraße und kein Instrument, um hierzulande Hass frei zu verbreiten!

Es wurde viel über den Salafismus geschrieben und berichtet. Leider habe ich in dieser aktuellen Debatte die muslimischen Stimmen vermisst!

Vereine und Verbände erkennen die Gefahren des Salafismus nicht und handeln aus sehr eingeschränkter Sicht. Manche versuchen das Problem zu verharmlosen. Manche stehen sogar mit Salafisten auf einer Bühne – wie der Rat der Muslime in Bonn – während Polizisten angegriffen und schwer verletzt werden und wundern sich, dass es ihnen nicht gelingt, diese Gewalt zu stoppen. Und für manche sind Salafisten Brüder und Schwestern im Islam!

Das ist keine Überraschung: Denn Salafismus ist letztendlich nur die Zuspitzung von Inhalten, die für viele muslimischen Vereine, Verbände und Mitbürger Teil ihres Glaubens sind.

Auch wenn die salafistische Szene sehr gespalten ist, und auch wenn die so genannten Dschihadisten, die zum bewaffneten Kampf aufrufen und ihn legitimieren, die Minderheit bei den Salafisten ausmacht, bin ich der festen Überzeugung, dass der Salafismus als Ideologie im Widerspruch zu unserem Rechtsstaat steht.

Gewalt fängt nicht erst da an, wo Menschen im Namen der Religion auf andere schießen. Für mich sind Polygamie, Geschlechtertrennung, Exklusivitätsanspruch, die Ablehnung der Demokratie und des demokratischen Rechtssystems, sowie der Glaube, Menschen vor ihrem gotteslosen und elenden Leben retten zu müssen, schon eine Form der Gewalt, welcher Einhalt geboten werden muss.

Um dem Salafismus Einhalt gebieten zu können, müssen wir die Gründe für die rasante Verbreitung solchen Gedankenguts und der Gewaltexzesse der letzten Wochen verstehen.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr gewaltbereite und gewaltverherrlichende Menschen dieser Strömung angeschlossen. Der Salafismus bot ihnen eine Bühne, auf der sie ihre Aggressionen politisch und religiös ausleben können.

Jene Anhänger, die sich immer gern als Beleidigte und Entrechtete darstellen, haben sich über die Provokation der Pro NRW gefreut. Für sie war dies die große Chance, ihre vom Opferstatus geprägte Weltanschauung zu bestätigen und sich und ihren Anhängern noch einen Grund zu liefern, gegen diese Gesellschaft zu rebellieren.

Wir müssen begreifen, wieso das salafistische Gedankengut insbesondere auf manche Jugendliche eine magnetische Anziehungskraft ausübt. Es liegt nicht nur an der gescheiterten Integration, wie manche gerne behaupten, um die Schuld von der eigenen Community weg zu schieben.

Wir Muslime müssen vielmehr die Gründe in unseren eigenen Reihen suchen. Der Salafismus hat schließlich nichts Neues erfunden, sondern ein weit verbreitetes Islam-verständnis in eine extreme Form gegossen.

Ausgrenzung, Entfremdung, die Pflege der Opferrolle, Aufwertung der eigenen Anhänger und Abwertung aller anderen, die Behauptung, die absolute und einzige Wahrheit zu besitzen, das Verbot, Aussagen zu hinterfragen, die Ablehnung neuer zeitgemäßer oder wissenschaftlicher Islaminterpretationen, die Tabuisierung der Sexualität, eine einschüchternde Pädagogik, die die Angst vor der Hölle über alles setzt, der Anspruch, auf alles eine Antwort zu haben und das Leben des Propheten buchstäblich nachahmen zu müssen – das alles sind Aspekte, die bei den Jugendlichen sehr gut ankommen.

Der Salafismus bietet ihnen den Schein der Sicherheit durch eine glasklare Unterscheidung zwischen richtig und falsch. Was die Sache schwierig und zugleich dringlich macht: Es geht hier um Aspekte, die auch zentrale Bestandteile des Islamverständnisses eines „Mustafa-Normal-Muslims“ sind.

Kontroll-orientierte Erziehungsmethoden, die auf Kollektivität und Respekt vor Autorität abzielen, wirken hier als Verstärker und begründen die Anfälligkeit von Jugendlichen für die Argumentationen der Salafisten. Mit ihren klaren Verhaltensvorgaben geben sie Halt und erleichtern scheinbar das Leben.

Um solchem Gedankengut Einhalt zu gebieten, brauchen wir starke und überzeugende islamische Vorbilder, die in der Lage sind, die Debatte über islamische Werte jenseits von Opferrolle und Diskriminierung zu führen.

Wir brauchen eine mutige und zeitgemäße Islaminterpretation mit klaren Positionen im Hinblick auf unsere demokratischen Werte und unser Grundgesetz. Wir brauchen eine Islaminterpretation, die kritikfähig und in der Lage ist, einen demokratiefähigen Islam theologisch zu begründen!

Wo sind diese Vorbilder?”

19.1.2013


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