Unmittelbar nach den Morden von Toulouse und der Feststellung, dass alle sieben Morde mit derselben Waffe begangen worden waren, meinte der notorische Aiman Mazyek, die Tat atme den Geist der NSU, es sei nicht auszuschließen, dass es in Deutschland Trittbrettfahrer gebe, denn der Rassismus in Europa sei inzwischen auf dem Vormarsch in die Mitte der Gesellschaft. 

Auch die Presse stellte sofort einen Querbezug zu dem rechtsradikalen Massenmörder Breivik her.

Frau Nahles meinte wörtlich:“ In Toulouse werden drei jüdische Kinder und ihr Lehrer getötet, zwei weitere Kinder sind schwer verletzt. Zuvor tötete offenbar der gleiche Täter drei farbige Soldaten. In Norwegen ermordet ein Nazi 77 Menschen – zumeist Jugendliche –, weil sie Sozialdemokraten waren. Diese Fälle rassistischer Verbrechen sind schockierend.

Dann das Unfassbare – der Täter, Mohamed Merah, war ein Muslim, ein islamistischer Salafist, der sich an den Juden und seinem Heimatland wegen des Engagements in Afghanistan rächen wollte. 

Der Mainstream musste sich also neu sortieren. Das geschah auch.

RTL brachte in seinen News umgehend eine „Analyse“, in der es im Zusammenhang mit den Taten darum ging, dass Muslime in Frankreich ausgegrenzt, in Banlieues verbannt und systematisch benachteiligt würden. In diversen Pressemitteilungen wurde die Nachbarschaft des Täters zitiert, er sei ein ruhiger, anständiger, höflicher Junge gewesen.

Wie so oft ist also die Mehrheitsgesellschaft mal wieder ganz wesentlich mitschuldig daran, dass ein Mensch es fertig bringt, anderen Menschen, darunter dunkelhäutigen Immigranten und jüdischen Kindern aufzulauern, ihnen eine Waffe an den Kopf zu setzen, abzudrücken und das Ganze für Youtube zu filmen. 

Der Täter musste natürlich zwangsläufig auch ein Einzeltäter sein, der auf Grund seiner Ausgrenzung gewissermaßen explodiert ist. 

Wollen wir das wirklich einfach so schlucken?

Anders Breivik, der norwegische Massenmörder, kann das übrigens nicht für sich in Anspruch nehmen. Er ist kein Einzeltäter, er ist vielmehr der Fleisch gewordene Rassismus „auf dem Vormarsch in die Mitte der Gesellschaft“.

Das gibt Anlass, genauer hinzuschauen. 


Einer der von Merah kaltblütig erschossenen Soldaten war Abel Chennouf. Seine Eltern waren lange vor seiner Geburt aus Algerien nach Frankreich emigriert, die Familie kam unter in einer Sozialbausiedlung. Nach der Schule trat Abel Chennouf den Dienst beim 17. Fallschirmjägerregiment in Montauban an. Er war der Stolz seiner ganzen Familie, wollte seiner Lebensgefährtin zuliebe zum Christentum konvertieren und wäre im Mai Vater eines Sohnes geworden. Chennouf ist tot, weil ihm sein muslimischer Mitbruder Merah die Pistole an den Kopf hielt und abdrückte.

Niemand, der noch bei Groschen ist, kann und wird Rassismus in jedweder Form akzeptieren. Was aber derzeit in Sachen Monokausalität und Ursachenforschung bei rechtsradikalen Taten einerseits und islamistisch begründeten Taten andererseits läuft, macht mich extrem wütend. 

Ich nehme nicht hin, dass mir permanent ungestraft gesagt wird, Psychopathen wie die Damen und Herren von der NSU oder Anders Breivik exekutierten nur das, was mir im Kopf herumgehe, während das skrupellose Abschlachten jüdischer Kinder und muslimischer Mitbürger letztlich auch von mir zu verantworten ist, denn auch das sei die Frucht meines Rassismus´, der Menschen wie Mohamed Merah dazu trieben zu tun, was sie getan haben.

Ich fordere, dass alles getan wird, um den rechtsradikalen Sumpf auszutrocknen. 

Ich fordere gleichzeitig, dass alles getan wird, um den islamistischen Sumpf auszutrocknen, denn ich mag mir gar nicht vorstellen, was hier los gewesen wäre, hätte ein Bruder im Geiste des norwegischen Massenmörders in Toulouse zugeschlagen.

Bezeichnen wir das was in Toulouse geschehen ist als das was es ist – wieder einmal – man denke nur an Madrid, Bali, Djerba und London - eine durch gewissen- und skrupellose islamistische Hintermänner gepushte Tat eines Muslims, der seinen pathologischen Hass auf Juden und sein Heimatland mittels kaltblütiger Morde ausgelebt hat und – um Herrn Mazyek zu zitieren – „es ist nicht auszuschließen, dass es in Deutschland Trittbrettfahrer gibt“.

Und "rassistisch" waren die Taten ebenfalls, auch wenn Frau Nahles das jetzt vielleicht gar nicht mehr so genau wissen will, denn "rassistisch" sind bekanntlich nur Rechte. 

Diese Leute sind Feinde der ganzen Welt, als solche muss man sie begreifen, dann wird man auch der Persönlichkeit, der Lebensleistung eines Abel Chennouf gerecht und ehrt sein Andenken. Merah hat nicht nur Menschen umgebracht, sondern auch die personifizierte gelungene Integration.

P.S. Es versteht sich von selbst, dass sich Aiman Mazyek für seinen idiotischen Kommentar niemals entschuldigt hat. Im Gegenteil, auf der Veranstaltung "Initiative Sicherheits-partnerschaft" in Berlin Ende März meinte Mazyek, Deutschland habe grundsätzlich "kein Islamproblem", sondern "ein Rassismusproblem", weshalb auch "nicht nur Muslime bei der Terrorbekämpfung in den Fokus rücken". Klarer konnte Mazyek mich gar nicht bestätigen - Allgemeiner Rassismus bei der Mehrheitsgesellschaft mit den Galionsfiguren NSU und Breivik geht klar, Leute wie Merah sind aber immer Einzeltäter.

 1.4.2012


Nachtrag 4.4.2012: Zitat aus der heutigen Welt: "...Das Attentat des inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilten Arid U. war eine Zäsur in der Bewertung der islamistischen Terrorgefahr in Deutschland. Selbsternannte Dschihadisten wie Arid U., wie Keramat G. oder wie der Todesschütze von Toulouse, Mohamed Merah, gelten als neuer, beunruhigender Trend..."

Hier der Artikel.

Mit Arid U. ist der 21jährige durch das Internet radikalisierte Arid Uka gemeint, der im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten unter den Rufen "Allahu akbar" erschossen hat.
Er und Merah gelten als typische Täter im Sinne der Vorgaben von Abu Musab al-Suri. Al-Suri hatte Bin Laden schon wegen seiner Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 kritisiert. Die Anschläge auf US-Einrichtungen stellten eine Gefahr für das Taliban-Regime in Afghanistan dar, wo al-Qaida Schutz genieße. Bin Laden veranlasste gleichwohl die Anschläge von 9/11, worauf das Taliban-Regime gestürzt wurde. Al-Suri tauchte unter und schrieb die Kampfschrift "Call for Worldwide Islamic Reistence", in der er die Taktik der tausend Nadelstiche entwickelte. Durch Anschläge von Kleingruppen und Einzeltäter sollte der Westen destabilisiert und seine Regierungen schließlich gestürzt werden. Das ist das, was im Welt-Artikel als neuer Trend gemeint ist.
Plattform für die Verbreitung dschihadistischer Inhalte ist die GIMF, die "Globale Islamische Medienfront", ein Propagandanetzwerk. Spinne im Netz seinerzeit der österreichische Islamist Mohamed Mahmoud, genannt Abu Usama. Sein Nachfolger Irfan Peci wurde schließlich vom deutschen Verfassungsschutz umgedreht und ist Verfasser des Buches "Der Dschihadist", das ich nur jedem empfehlen kann und bei dem er durch die investigativen Journalisten Johannes Gunst und Oliver Schröm unterstützt wurde, die ihrerseits wertvolle Informationen beisteuern.


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