Puh, das war jetzt aber nicht politisch korrekt, Frau Stephan!

 

Zu Wort gemeldet haben sich in der aktuellen "Welt am Sonntag" jetzt auch prominente Muslime wie die Schriftstellerin Hatice Akyün, der Unternehmer Vural Öger, die Anwältin Seyran Ates, die Berliner Büroleiterin von "Hürriyet" Alunet Kühlaci, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu und der Kabarettist Cemal "der Tiger von Kreuzberg" Atakan.

"In der Wolle gefärbter Rassist", "räsonierender Dumpfbeutel", "Volksverdummer", "Rassist in Nadelstreifenanzug", "Diffamierungen,  Unterstellungen und absurde Behauptungen", "Querulant", "Fälscher", "spinnt" - das ist ein repräsentativer Querschnitt der Äußerungen über Thilo Sarrazin, die das widerspiegeln, was man von muslimischer Seite seit der Vorstellung des Buches weit überwiegend zu lesen und zu hören bekam und sich auch in den verschiedenen Statements wiederfindet, möglicherweise in der Hoffnung und Erwartung, dass Inhaltliches oder gar eine Selbstbespiegelung über Binsenweisheiten hinaus ("...ja, ja, es gibt Probleme bei der Integration...") bei möglichst drastischer Polemik nicht gefordert und erwartet wird.

Ich bin überrascht, wie schnell sich die Schlussformulierung in Cora Stephans Bestandsaufnahme "Unsere verlogene Elite" bewahrheitet hat.



Während dessen versucht die SPD auf dem Hochseil einen Flic-Flac mit einem rohen Ei auf dem Löffel in der Hand. Erst hieß es, man wolle gegen Sarrazin ein "beschleunigtes Ausschlussverfahren" einleiten, jetzt will man erst mal prüfen, mit S. sprechen und vor allem nichts überstürzen. Der Souverän unbotmäßig? Man wundert sich, was das manchmal generiert.

 

ARD Presseclub.

Eingeladen der Medienprofi Michael Spreng, Tissy Bruhns (Tagesspiegel), Ulrich Reitz (WAZ) und die freie Journalistin Ferdos Forudastan.

Anfangs schien das ein recht homogenes Häufchen zu sein. Man war sich in der Verachtung für das Sarrazin-Buch einig, es schimmerte ein "Das Volk ist zur Zeit leicht Banane" durch, Differenzen gab es allenfalls hinsichtlich der daraus zu ziehenden Konsequenzen.

Reitz sprach sich klar für einen Rausschmiß aus SPD und Bundesbank aus, Spreng warnte vor einer latenten Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung und davor, einen Märtyrer zu kreieren, man habe ja politikseits sowieso schon mächtig Böcke geschossen - die Kanzlerin habe gemault, ohne das Buch zu kennen und der Bundespräsident habe sich ohne Not auch schon festgelegt und jetzt natürlich Schwierigkeiten, den objektiven Richter zu geben.

Je länger die Diskussion aber dauerte, um so klarer wurde, dass Forudastan die bekannte Linie vertrat, hier würden alle Muslime über einen Kamm geschoren, (nur) der deutsche Staat habe bei der Integration von ungebildeten muslimischen Migranten versagt (natürlich nicht ohne das bekannte Mantra "ja, ja, es gibt gewisse Probleme") und die deutschen Medien interessierten sich  sowieso nur für Schlagzeilenträchtiges wie Ehrenmorde und Kopftücher.

Das rief dann den Widerspruch von Bruhns hervor. Sie lebe selbst in Berlin und fahre dort S-Bahn. Sie könne verstehen, dass Bürger gewisse Befürchtungen bezüglich beinharter Parallelgesellschaften hegten.

Forudastan: Die Parallelgesellschaften sind nur ein Bildungsproblem und da habe der deutsche Staat versagt. Sarrazin bashe auch ohne Unterschied alle Muslime.  Und überhaupt - der Islam habe mit Integrationsproblemen rein gar nix zu tun.

Daraufhin Bruhns: Man kann den Konnex Islam und Probleme nicht abstreiten bzw.

Reitz: Ich kann Ihnen im Ruhrgebiet sämtliche Bezirke mit Parallelgesellschaften nennen und Sarrazin hat sehr wohl nach Ethnien unterschieden und auch damit nicht verallgemeinert.

Weder Bruhns noch Reitz wollten also erkennbar den Schwarzen Peter allein auf deutscher Seite verortet wissen und wäre das nicht geschehen, ich hätte abgeschaltet, da ich die erwähnte Linie in den Talkrunden der letzten Tage nun zur Genüge kennen- und abzulehnen gelernt habe.

Egal wie man zu Sarrazin steht, der in biologistischer Hinsicht möglicherweise einen riesigen Bullshit geschrieben hat - ich lasse mir angesichts der großen finanziellen und sonstigen Integrationsbemühungen unseres Landes in den vergangenen Jahren einerseits und das für mich soweit erkennbar selbstverständlich mit dem Islam in Zusammenhang stehende Abdriften eines nicht unbeträchtlichen und dringend benötigten Teils dieser Gesellschaft andererseits die jetzige Diskussion nicht  als Ausdruck einer latenten Fremdenfeindlichkeit hierzulande verkaufen.

Das aber wird von der überwiegenden Zahl der im TV und den Printmedien aktiven Repräsentanten dieser Religion im Wege der Vorwärtsverteidigung  vertreten.




Eine halbe Stunde später - Heinz Buschkowsky und Claudia Roth bei Peter Hahne.

Frau Roth wieder mit den üblichen Allgemeinplätzen, Empörungsreflexen und verbalen Bausätzen aus der Gutmensch-Multi-Kulti-Kiste. Frau Merkel müsse im Übrigen auch dafür sorgen, dass so einer aus der Bundesbank fliege.

Buschkowsky, der an Buddha himself erinnerte,  meinte nur trocken, klar dürfe Frau Roth empört sein, er habe da aber gewisse verfassungsrechtliche Bedenken, der Bundespräsident sei ja nun einmal zuständig für die Abberufung.

Seiner Meinung nach sei Sarrazin aber eindeutig beratungsresistent und verfolge bestimmte Dinge bekanntermaßen mit missionarischem Eifer. Ihn, Buschkowsky,  störe nur gewaltig, dass die Spitzenpolitik (gemeint ist das nicht in qualitativer Hinsicht) seit Jahren im Elfenbeinturm sitze, bei den Erziehern und Jugendrichtern vor Ort  komme integrationsförderungstechnisch aber nichts oder kaum etwas an.

Er sei auch eindeutig der Meinung, es finde eine Hexenjagd auf Sarrazin statt, wenn man sich nur etwa vergegenwärtige, was für ein militanter Druck etwa auf Einrichtungen ausgeübt werde, die Sarrazin lesen lassen wollten, wo sei man denn, alle Welt fasele von Meinungsfreiheit und Rederecht, wenn es um die "Satanischen Verse" gehe, aber bei Sarrazin gelte das dann alles nicht mehr?!

Dessen Zustimmungsquote in der Bevölkerung liege bei 95%, wolle man das jetzt verbal totschlagen oder totschweigen?

Im Übrigen gebe es nun einmal die von Sarrazin beschriebenen Probleme wie höchste Geburtenraten in sozial schwachen Bezirken, es gebe bei den Problemen auch eindeutig einen Konnex zwischen Islam und Gewalt bzw. Verweigerung, der Islam müsse endlich  in der Demokratie ankommen, in den Moscheen werde aktuell aber sehr oft genau das Gegenteil von dem gepredigt, was Frau Roth meine, das wisse er nun mal (als "Frontschwein").

Integration sei keine Einbahnstraße, der politische Mainstream habe die Dimension des Problems aber bisher immer noch nicht wirklich erkannt.

Peter Hahne muss ich zum Vorwurf machen, dass er an Frau Roth zwar die Frage richtete, wie sie denn aktuell noch zur Frage der "
Zwangsgermanisierung" stehe, dann aber nicht nachhakte, als sich Madame Roth, ganz Politprofi mit oben erwähnten Bausätzen aus der sichtlich unangenehmen Situation atemlos wegschwätzte. Aber einig war man sich, dass Kinder deutsch können müssen. Na immerhin.

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