30.8.2010: Jetzt hab ich es doch gemacht – eigentlich wollte ich abwarten, bis Amazon Thilo Sarrazins Buch geliefert hat und ich es gelesen habe.

Nachdem sich nun aber die politische Avantgarde (ein Widerspruch in sich) überschlägt, ohne überhaupt das Buch gelesen zu haben und Vertreter der DITIB und diverser Islam-Verbände auf Pressekonferenzen wieder mal bestätigt haben, die Deutschen seien sowieso rassistisch (war alles auf Phoenix anzuschauen und vor allem - zähneknirschend - anzuhören), stelle ich nachfolgend  einige Links zusammen, die sich mit TS befassen und ein doch etwas anderes, weil differenzierteres  Bild zeichnen als das, das von der angeblich geschlossen agierenden, nichtsdestotrotz heuchlerischen Front von Politikern, Soziologen und Journaille in grellen Farben gezeichnet wird.

Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass ich mich unter Umständen von Herrn Sarrazin und seinen Thesen abwende, wenn ich sein Buch gelesen habe. Aber erst dann. Und bis dahin verfolge ich halb bestürzt und halb belustigt die widerwärtigste Hexenjagd seit langem.

Sein Interview in „Lettre International“ war für mich jedenfalls kein Grund, ihm den Rücken zu kehren, im Gegenteil, es handelt sich um eine hochinteressante und nachdenkliche Analyse der Situation Berlins. Man mag mit der einen oder anderen Schlussfolgerung nicht einverstanden sein, die Güte des Gesagten mindert das aber letztlich nicht.

Und Gideon Botschs Giftspritzerei fand ich voll daneben. So wie offensichtlich auch die Bundes-SPD-Spitze, denn man hat den Antrag auf Rausschmiss seinerzeit völlig zu Recht abgeschmettert.

Bei Amazon steht Sarrazins Buch übrigens bereits auf Nummer 1 der Bestsellerliste, wohl wegen der vielen Vorbestellungen, gefolgt von Kirsten Heisigs  „Das Ende der Geduld“.  Vielleicht dämmert es dann dem einen oder anderen, warum dort zwei Werke stehen, die so gar nicht in den allgemeinen und offiziellen Integrationskomment passen.

Neclá Kelek - die bei der Präsentation des Buchs neben Sarrazin saß - ist übrigens der Meinung, Sarrazin habe in der Sache Recht („...Hier hat ein verantwortungsvoller Bürger bittere Wahrheiten drastisch ausgesprochen und sich um Deutschland einen Kopf gemacht...Um diesen Kopf soll Thilo Sarrazin offensichtlich jetzt kürzer gemacht werden..."), ebenso wie Michel Friedman, der allerdings das „Wie“ des Transports eines aus seiner Sicht berechtigten Anliegens für „katastrophal“ hält. Vielleicht hat er sein Buch schon gelesen, ich weiß nicht.

Lachen muss ich dann aber, wenn bizarre Herrschaften wie Daniel „Der Irre von der Seine (Zitat Titanic)“ Cohn-Bendit im wie üblich völlig ahnungslosen Spontitaumel von „paranoid“ und „irre“ sprechen.

Ähnlich auch die Spezialistin für Schnappatmung und Mutter Beimer aller Ökopaxe.

Laut Claudia Roth ist Sarrazin "ein Quartalsirrer".

Genauso infam und lächerlich auch Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, der wie oben beschrieben nicht nur allgemein Rassismus in Deutschland beklagte (Argument: Wieso wird denn  sonst das Buch überhaupt gekauft?), sondern Sarrazin auch einen "Nazi in Nadelstreifen" nannte.

Eine fürchterliche Formulierung, womit dieser meiner Meinung nach höchst überflüssige Gralshüter angeblicher muslimischer Interessen  ungewollt alle Klischees und Befürchtungen bestätigte, wie man mit einer möglicherweise auch überzogenen Kritik in diesen Kreisen umzugehen gedenkt. Das in sicherer Kenntnis des Umstandes, dass das Wort "Nazi" bisher (!) in etwa die gleichen heftigen Reaktionen auslöste wie das Wort "Feuer" im Altersheim.

Müßig zu erwähnen, dass Mazyek das Buch bis dato noch gar nicht gelesen hatte. Ich wette übrigens, dass gerade in aufgeklärteren türkisch-arabischen Kreisen, der großen hart arbeitenden und schweigenden Mehrheit dieser Bevölkerungsgruppe sehr viel differenzierter diskutiert wird als seitens bestimmter Verbände, denen postwendend die Luft herausgelassen würde, erwiese sich das gebetsmühlenhaft vorgetragene Diskriminierungs- und Rassismusargument als inhaltsleer.

Was Leute auf - angeblich der Integration dienenden (!) - Islamkonferenzen zu suchen haben, die - ohne Kenntnis der Faktenlage - ein nach wie vor amtierendes Bundesbankvorstandsmitglied ungestraft als Nationalsozialisten bezeichnen dürfen, erschließt sich jedenfalls mir nicht.

Aber Entwarnung an Sarrazin: Wenn DAS alles ist, was man in der Sache gegen ihn aufzubieten hat, dann wird das nicht allzu schwierig für ihn.

 

Den Vogel abgeschossen hat aber Report Mainz am 30.8.. Sarrazins dunkel-sonnenbebrilltes Gesicht erschien hinter dem Sprecher in grotesker Vergrößerung, dass man dachte, Don Corleone sei zurück und unterbreite gerade ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Im Bericht selbst wurden dann  zu 90% Kommentare von Udo Voigt gebracht, der sich für seine braunen Horden darüber freute, dass das NPD-Programm endlich mal hoffähig geworden sei und überhaupt trage er Sarrazin eine Beratertätigkeit an.

Der Delinquent – also Sarrazin – kam vorsichtshalber überhaupt nicht zu Wort. Wenn DAS seriöse Berichterstattung über Thesen sein soll, die sich in einem Buch finden, das 99% der Kommentatoren überhaupt nicht gelesen haben, dann sage ich armes Abendland.

 

Aber das ist ja die Masche – köpf´ den Boten und du bist das Problem los, so taumelt ja schon seit Jahren ein „Gesellschaftsprojekt“ nach dem anderen das Klosett hinunter.

 

Und noch was – die Aufregung um das „jüdische Gen" ist wie vieles andere auch nur der übliche Pawlow.

Henryk M. Broder, einer antijüdischen Haltung eher unverdächtig, spricht selbst von bestimmten Eigenheiten etwa „der Juden“. Er will zwar nicht notwendig von genetischen Besonderheiten sprechen, meint aber, es sei letztlich egal, ob man von „genetisch“, „kulturell“ oder „sozio-traditionell“ spreche.

In einem Interview zu Sarrazins Buch merkt er beispielsweise an, etwa Analphabetismus sei bei drei Völkern seit jeher unbekannt, da dort schon immer viel gelesen und vorgelesen wurde und werde - bei den Armeniern, den Isländern und den Juden. Der griechische Humor unterscheide sich zweifelsohne auch vom dänischen, man müsse also akzeptieren, dass es bestimmte Unterschiede gebe.

Einen Vorwurf muss ich TS (bis zur vollständigen Lektüre der Schwarte) aber jetzt schon machen - die Vertreter der political correctness wie  etwa Claudia Roth, deren hervorstechendste Eigenschaft unter anderem ist, stundenlang über etwas zu faseln, das sie nie gesehen, gehört oder gelesen haben (s.o. Cohn-Bendit), überziehen dieses Land mal wieder wie der gottverdammte Mehltau.

 

Und ich biete eines ausdrücklich an – wer mich kontaktiert, dem schicke ich auf eigene Kosten eine Kopie des Interviews in "Lettre International", von dem Volker Schlöndorff sagte, Sarrazin habe ihm "aus der Seele gesprochen". Ähnlich äußerte sich übrigens auch der damalige NRW-Integrations-minister und jetzige Anwärter auf den dortigen Ministerpräsidentenposten Armin Laschet über das Sarrazin´sche Interview: "...Man darf Defizite benennen, man muss sie benennen, um sie bekämpfen zu können...".

Auch ich hatte mir das Heft gekauft und weiß also ausnahmsweise, wovon ich rede.




"...Eine zusätzliche Differenzierung nach Herkunfts-gruppen scheint sinnvoll, da sich migrationsbedingte
Disparitäten nicht allein aus dem Migrationsstatus ergeben, sondern zusätzlich von dem spezifischen Herkunftsland der Jugendlichen mit Migrations-hintergrund abhängen. So weisen Jugendliche türkischer Abstammung verglichen mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund größere Kompetenz-unterschiede auf als beispielsweise Jugendliche, deren familiäre Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion oder in Polen liegen...Die Tabellen 18 und 19 geben die in den einzelnen Herkunftsgruppen erzielten Mittelwerte für die verschiedenen Kompetenzbereiche wieder. Für beide Fächer zeigt sich, dass die Jugendlichen deutscher Herkunft jeweils die höchsten Leistungen erzielen.
Etwas geringer sind die Leistungen der Jugendlichen aus Polen und der ehemaligen Sowjetunion, wobei sich das absolute Leistungsniveau dieser beiden Gruppen jeweils sehr ähnelt. Hierbei zeigt sich für das Fach Englisch ein leichter Vorteil für die Jugendlichen polnischer Herkunft, wobei sich für diese Herkunftsgruppe in den Daten eine erhöhte Selektivität zeigt, die vermutlich zu einer leichten Überschätzung der mittleren Leistung, zumindest für das Fach Englisch, führt. Jugendliche türkischer Herkunft weisen innerhalb des hier vorgenommenen Gruppenvergleichs stets die geringsten Leistungs-mittelwerte auf...
"

Polemisch? Rassistisch?

Das hier ist 1:1 aus Köller, Knigge & Tesch, "Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich" (Befunde des ersten Ländervergleichs zur Überprüfung der Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch), einer von der Kultusminister-konferenz in Auftrag gegebenen Studie.

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