Am 22.7.2010 hat die ARD zu nachtschlafender Zeit eine Dokumentation ausgestrahlt, die soweit ersichtlich für erheblichen Wirbel sorgt. Leider habe ich die Sendung verpasst, ich habe völlig unpolitisch tief und fest geratzt. Der Beitrag stammt von den Journalistinnen Nicola Graef und Güner Balci, letztere selbst eine Tochter aus der ersten (anatolischen) „Gastarbeiter“- Generation.

„Kampf im Klassenzimmer“ lautet der Titel und die Sendung handelt von der Situation in der Hauptschule Essen-Karnap, die übrigens zum 31.7.2010 geschlossen wird. Der Anteil ausländisch-stämmiger Schüler liegt bei 70%, die deutschen Schüler sind also deutlich in der Minderheit, was erhebliche Probleme zwischen dem deutschstämmigen Teil der Schüler und den Migranten ausgelöst hat.

Ich habe versucht, den Beitrag über www.ardmediathek.de  herunterzuladen, bin aber gescheitert und habe mir die fragmentierte Fassung über youtube beschafft, dort ist sie auch zu sehen.

Die Sendung ist ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie sich die Situation entwickelt, wenn eine nicht oder kaum integrierte und der toleranten, offenen, dem Gleichberechtigungs-gedanken verpflichteten Gesellschaft feindselig gegenüberstehende Minderheit sukzessive die Mehrheit stellt und der nunmehrigen Minderheit  diktiert, was wie zu geschehen hat.

Selten hat man das Scheitern von Integration in Folge völliger und religiös motivierter Ablehnung des Integrationsgedanken plastischer miterleben können. Leitmotiv dahinter – immer und immer wieder der Islam bzw. dessen angeblich verbindliche Vorgaben zum Verhalten gegenüber Andersgläubigen oder Frauen, selbst wenn diese der eigenen Religion angehören.

Frustrierend ist, dass gerade Kinder oder Jugendliche betroffen sind, die aus meiner Sicht eigentlich die Hoffnungsträger für ein friedliches und offenes Miteinander sein sollten. 

Zu Wort kommt unter anderem Herr Rafik Succari, Arabischlehrer an der Schule. Herr Succari berichtet von seinen – vergeblichen - Bemühungen, auf die arabisch- bzw. türkisch-stämmigen Schülerinnen und Schüler einzuwirken und das Verhältnis zu den deutschen Mitschülern zu verbessern.

Die Schulleiterin, Roswitha Tschüter, berichtet anschließend von Beschwerden der Eltern ausländischer Schüler über Herrn Succari, der derartige Initiativen zu unterlassen habe. Auffällig ist für mich, dass sich die Lehrer ungewöhnlich klar und drastisch äußern. 

Interessant auch die Schilderungen gerade der Schülerinnen zum „Heiratsmarkt“, die sicher ungewollt weitgehende Einblicke in eine mir fremde Welt geben (und auch sofort Zoff mit den Glaubensgenossen auslösten).

Mag sein, dass es sich nur um ein Schlaglicht handelt, mag sein, dass es sich um Kreise eher einfacheren und damit besonders konservativen Zuschnitts handelt und ich bin mir im Klaren darüber, wie viele gut integrierte Muslime es in diesem Land gibt, die auch zu den Grundlagen dieser Gesellschaft stehen.

Aber kann das ein Grund sein, Entwicklungen wie die oben beschriebenen zu ignorieren oder als „Einzelfälle“ abzutun? Ist man hier nicht sprichwörtlich an der vielzitierten „Basis“ angekommen und welche Zustände herrschen mitunter eigentlich weitab von Berliner Islamkonferenzen? I

Ich habe auch wegen dieser Fragen weiter recherchiert, um daneben für mich zu klären, ob die Sendung ungeachtet der „Einzelfall“-Problematik besonders reißerisch daherkommt und unter Umständen die Realitäten verbiegt.

Es gibt  u.a. ein Interview mit Frau Tschüter zu der Sendung.Ja, wir haben Probleme gehabt. Aber wir sind offensiv damit umgegangen und haben auch einiges bewirken können, so Frau Tschüter, allerdings ohne die Schließuung der Schule dadurch verhindern zu können. In Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Einrichtungen vom Moscheeverein über die Arbeiterwohlfahrt bis zur Polizei sei es gelungen, die Lage zu entspannen.

Vor allem die letzten beiden Schuljahre seien im Gegensatz zur Darstellung im Fernsehen „sehr friedlich und familiär“ verlaufen: „Es hat sehr wenig Konfliktsituationen gegeben; Gewalt und Mobbing kommen allerdings unter Schülern immer mal wieder vor, und zwar in allen Schulformen. Die Wahrheit (zum Bericht, meine Anmerkung) liegt in den vielen Grau- schattierungen dazwischen“.

Erschreckend sei aber, dass viele der im Film vorgestellten Jugendlichen „in ihren Köpfen und Herzen immer noch nicht in unserer deutschen Gesellschaft angekommen sind und sich teilweise auch gar nicht integrieren wollen“.

Die Schulleiterin: „Integration gelingt oft leider nicht in dem Maße, in dem wir Pädagogen uns dies wünschen“.

Schlusssatz von der jugendpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion im Essener Gemeinderat, Ute Baukelmann: „Dass die Integration in den von Migranten dominierten Schulen bis heute keineswegs gelungen ist, ist bekannt“.

Also ein Einzelfall in Karnap? Wohl nicht, wenn man sich Kirsten Heisigs Bericht von der Front anschaut. Ihr Buch "Das Ende der Geduld" ist zumindest in den hiesigen Buchläden ausverkauft und es ist offen, wann man es bekommt.

24.7.2010



Gutes Interview mit dem hessischen Innenminister Boris Rhein am 20.6.2011. Ich hoffe, man nimmt die salafistischen Brandstifter jetzt endlich ernst(er). Mit diesen Desperados kann es auch auf muslimischer Seite keine Rabentraulichkeit geben. Sie sind u. a. die, die jede Annäherung zwischen Islam und dem "Westen" sabotieren und ihre Ausgrenzung muss im beiderseitigen Interesse sein.



Wie verworren kann die Entwicklung eigentlich noch werden? 

Hier gibt es einen Link auf die Seite der Islambrüderschaft, auf der sich die frommen Herrschaften einen der Ihren vornehmen und ihn u.a. als „Schaytan“ bezeichnen.

Gemeint ist Imam Hesham Shashaa, aktuell besser bekannt als „Abu A.“ (= Adam).

Shashaa, obgleich angeblich selbst dem Salafismus nahestehend,  hat sich einen Namen gemacht als er die Anwerbung für den Kampf gegen die alliierten Truppen in Afghanistan verurteilte, ebenso wie Selbstmordanschläge oder andere schreckliche Dinge, die im Namen des Propheten verübt werden oder wurden.

Dafür heimste er sich die obligatorischen Morddrohungen seiner Glaubensgenossen ein und ist bislang nur mit Leibwächter unterwegs.

Die Sicherheitsbehörden zeichnen ein ambivalentes Bild von Shashaa, einerseits begrüßt man seinen objektiv eher integrativen Kurs, andererseits mutmaßt man, dass in der Darul Quaran-Moschee in München mit 1.500 Besuchern zum Freitagsgebet, in der Shashaa tätig ist, Dinge verbreitet werden, die sich so gar nicht mit dem veröffentlichten Image des Imam in Einklang bringen lassen.

Diese Moschee wird übrigens auch auf der SeiteMoscheesuche erwähnt, die wiederum nichts dabei findet, Werbebanner der Salafisten und Takfiris zu veröffentlichen.

Aktuell ist Shashaa, der – eher weniger westlich - mit drei Frauen und 10 Kindern in einer Münchner Wohnung lebt, in die Schlagzeilen geraten, weil er eine seiner Frauen derart verprügelt haben soll, dass sie mit schwereren Verletzungen in ein Krankenhaus musste. Die Polizei musste angeblich die Wohnungstür eintreten, da Shashaa den Zutritt mit den Worten verweigert haben soll, es gehe niemanden etwas an, was er mit seiner Frau mache.

Menschelt es da oder feiert die taqqyia fröhliche Urständ´? Natürlich ist klar, dass es zumal in Deutschland nicht „den Islam“ und „die Muslime“ gibt, aber Teile der Szene scheinen noch viel zerrissener und undurchsichtiger zu sein als ich zumindest bisher annahm. Vertrauensbildend ist das für mich jedenfalls nicht so richtig.

2.12.2010


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