Gestern Abend bei "RTL aktuell" - der Dämonisierungsstadl Vol. 2.

Der Schwiegermuttertraum Peter Klöppel verlas mit steinerner Miene und eben solchen Kiefermuskeln die traurige Nachricht, Pegida habe in Dresden wieder zugelegt. Es war nicht zu übersehen, wie der Mann litt.

Einspieler mit einigen Kürzestschnipseln von der Dresdener Demo und ihrem Gottseibeiuns Lutz Bachmann, dann Überleitung auf die Münchner Gegendemo mit 12.000 Teilnehmern, von deren Ablichtung man gar nicht mehr lassen wollte. Schnitt auf eine Deutschlandkarte mit verschiedenen Städten und einer Gegenüberstellung der Pegidisten und ihrer Gegenüber.

Rechnete man alles überschlägig zusammen, reichte es ungefähr für ein Unentschieden, man legte aber Wert auf die Feststellung - Einspieler aus Dresden -, dass der "Widerstand der Anständigen" wachse, wobei man geflissentlich unterschlug, dass sich in dieser "Hauptstadt der Bewegung" die Zahl der Gegendemonstranten mehr als halbiert hatte.



Mein Gott, Michael Miersch, möchte man rufen, wenn man diesen Artikel liest. Ein gewitzter, witziger und belesener Mann und dann das?

Einleitend ein Hinweis auf den Nationalsozialismus, der auch deshalb erblühen konnte, weil den französischen Sozialisten die durch Versailles geknechteten Deutschen leid taten.

Damit hat man mal den Kammerton für das dann Folgende angestimmt.

Ein kurzer Seitenhieb auf den in der Tat mittlerweile von sämtlichen guten Geistern verlassenen Herrn Todenhöfer und dann - der "Lackmustest" der Bewegung auf Demokratiefeindlichkeit.

Das aber nicht ohne zuvor das immer wieder aufgebotene "Argument" zu bemühen, in Sachsen lebten doch gar nicht so viele Muslime, was wolle man denn. Offensichtlich traut man den Leuten nicht zu, über den Tellerrand hinauszuschauen, ganz abgesehen davon, dass der Wohnort wohl kaum der geeignete Anknüpfungspunkt sein kann, um bestimmen zu können, gegen wen oder was einer demonstrieren darf. Ansonsten dürfte ich mich nie über die Berufsarier in MeckPomm echauffieren, ich wohne da ja nicht.

Zurück zum Lackmus-Test und da offenbart sich eine Lücke, die ich einem wie Miersch nie zugetraut hätte. Alles schön und gut was er zu Asyl und fliehenden Muslimen schreibt, tatsächlich geht es aber doch eher um die Forderung nach einem geregelten Einwanderungsrecht und einer Lösung der himmelschreienden Ungerechtigkeit bei der europaweiten Zuteilung von Flüchtlingen, die meines Wissens auch niemand in Abrede stellt.

Bezugnahme bei Miersch hierzu Fehlanzeige. Ich habe das Gefühl, hier hat der Herr Miersch ein wenig unter Duftmarken-Neurose gelitten.




So, jetzt haben sich auch einige Bürgerrechtler zur Wehr gesetzt, weil ihr "Wir sind das Volk" okkupiert worden sein soll. Sie haben sogar gedichtet, wie diesem taz-Artikel zu entnehmen ist.

Wenn man das Ergebnis mit seinem bekannten Mantra "Kein Mensch ist illegal" liest, ist einem allerdings das eine oder andere klar. Es wird das GANZ große (sozialistische) Rad gedreht, der Schweinekapitalismus bekommt ebenso sein Fett weg wie die Globalisierung, der Neoliberalismus und alle anderen üblichen Verdächtigen. Und weil man gut und sozialistisch ist, stören da Belanglosigkeiten wie Realität, inhaltliche Auseinandersetzung und Problembewusstsein nur.

Und damit uns richtig verstehen - die Idioten, die diesen Aufruf à la "Gedicht" in die Welt gesetzt haben, können 1989 zwangsläufig nur ein eher kleiner Teil einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung gewesen sein, die die Mauer zum Einsturz brachte, auch wenn sie das jetzt gerne anders sähen, sie okkupieren die Wendegeschichte, wir hier, ihr da. Vera Lengsfeld hat sich von diesem Scheiß schon distanziert.

Es ist nämlich ein ganzes Volk auf die Barrikaden gegangen.

Damals hat man sich der Menschen, die man heute aufs Übelste beschimpft, sehr gerne bedient. Und jetzt das.

Die Dichter (nicht Denker) mussten in 25 Jahren ohnmächtig mit ansehen, wie sich die beiden ehedem getrennten Staaten samt ihrer Menschen aufeinander zu bewegten, viel durchmachten, Niederlagen wegsteckten, aber auch mannigfaltige Erfolge feiern konnten und das auf Basis dessen, was der westliche Mensch am Beginn des 21. Jahrhunderts will - Demokratie, Rechtssicherheit, materiellen Wohlstand und Pluralismus.

Er will keine sozialistischen Wolkenkuckucksheime Vol. 85 mehr und das wird ihm jetzt bei genauer Lektüre des Gedichts heimgezahlt. Das Pamphlet ist erkennbar ein Produkt verschmähter Liebe und dafür muss der Ex-Geliebte nun bluten.

Daher das grenzdebile Werk in seiner ganzen Pracht hier:


PEGIDA – Nie wieda!

Wir sind das Volk ruft ihr
Freiheit Toleranz Welt offen meinte das '89
Visa frei bis Hawai war die Devise
Und: Die Mauer muss weg

Ihr aber wollt:
Visa frei nur für uns
Die Mauer muss weg nur für uns
Die Mauer muss her am Mittelmeer
25 Jahre nach Mauerfall

Zusehen wollt ihr wenn die Elenden
Der Welt an neuen Mauern sterben
An euren Mauern
Oder ihr dreht euch weg
Um in Ruhe Gänsebraten zu fressen
Und Weihnachtslieder zu singen

Jesus hätte gekotzt hätte er euch getroffen

Habt ihr euch nie gefragt:
Wer liefert die Waffen für die Bürgerkriege die die Menschen vertreiben
Wer hat der Welt den Neoliberalismus aufgezwungen
Der sie in Ungleichheit Armut Not treibt
Bei uns und im Süden der Erde
Und wer hat die Klimakatastrophen produziert
Die den Sahel zur Hölle machen

Dabei pfeifen die Spatzen von den Dächern:
Es ist das System das ihr nicht schnell genug bekommen konntet
Dem ihr den '89er Versuch geopfert habt
Den Versuch einer alternativen Demokratie
Einer freiheitlichen solidarischen ökologischen

Doch ihr sprecht nicht über dieses System
Über Kapitalismus seine Gemeinheiten über Interessen
Dafür protestiert ihr gegen die Schwachen
An die Mächtigen traut ihr euch nicht heran

Feiglinge

In Sachsen sind Muslime nur mit der Lupe zu finden
Aber ihr bekämpft die Islamisierung des Abendlands
Euer Abendland heißt Dunkeldeutschland
Ihr riecht nach dem Provinzmief hinter der Mauer
Oder dem in den Tälern der Alpen

Ihr sprecht nicht für '89
Ihr sprecht für keine Freiheitsbewegung
Ihr seid deren Schande
Schämt euch

Auf euer Abendland haben wir '89 gepfiffen
Darauf pfeifen wir auch heute
Unsere Solidarität den Flüchtlingen

Und immer noch sagen wir
Eine andere Welt ist möglich
Eine andere Welt ist nötig
Um alle Mauern zu stürzen



Ich K-A-N-N es nicht mehr hören, wenn Leute wie der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm zum einmillionsten Mal vor "pauschaler Islamophobie" warnen und an "die Millionen Muslime" erinnern, die "hier in Frieden mit ihren Nachbarn leben", weil sie offensichtlich der Meinung sind, die Leute, die auch seinen Verein bezahlen, könnten nicht bis drei zählen.

Er ist aber ebenso ein Wendehals wie Finanzminister Schäuble, der wie praktisch alle Politik- und Kirchenvertreter in den kakophonen Chor der Pegida-Hasser eingestimmt hatte und jetzt plötzlich mit den Leuten "reden" will. Mit etwas, das an Selbstkritik erinnern soll, meinte Schäuble, "viele Menschen" würden sich "in der institutionell verfassten Politik nicht mehr wiederfinden", man müsse "zuhören und argumentieren".

Da Schäuble aber Schäuble ist und er in Selbstkritik immer eine 6+ hatte, setzt er einen drauf, das gelte aber nicht für die, die "fremdenfeindliche Ressentiments schüren", die müsse "man bekämpfen".

Wer was ist, entscheidet selbstredend dann das Finanz-ministerium, weshalb sich die Ankündigung mal wieder als echte Berliner-Luft-Nummer erweist.



Um den Aberwitz noch transparenter zu machen, hier ein Link auf SPON vom 5.5.2013. Helmut Schmidt, dem sie bekanntlich permanent die Füße küssen, äußert sich wesentlich deutlicher als das Pegida-Positionspapier jemals gehen würde. 

Schmidt = Schande für Deutschland? 

Schmidt = Nazi in Nadelstreifen? 



Und hier der zweite Teil der Suada Bettina Röhls gegen die aktuelle Hexenjagd.



Upps, da ist es - das böse Wort "Regelungsbedarf" in der Migrationsfrage. 

Davon mal ganz zu schweigen, dass 85% der unqualifizierten ausländischen Arbeitskräfte in die EU einwandern und 5% in die USA, . Bei den qualifizierten ist es genau umgekehrt, 5% wollen in die EU, 55% in die USA.

Aber feste dran denken, die Pegidas sind alle Nazis und Probleme gibt es ebenso wenig wie Regelungsbedarf.

Aber mal eine ketzerische Frage, die mein Bruder aufgebracht hat:

Liegt hier der Hund öffentlicher Hysterie begraben? Hat man Sorge, dass sich größere Bevölkerungsteile gegen eine prognostizierte Verdoppelung des Ausländeranteils bis 2030 auflehnen, wenn die Blue Card kommt, wie Herr Frattini schätzt? Im Augenblick rebellieren ja nur 17.500 Nazis in Dresden, das muss blutig unterdrückt werden, denn 175.000 demonstrierende Nazis könnte man niemandem mehr verkaufen. Es bleibt spannend.

PS: SPON hat 2007 gefragt, wie viel Zuzug Europa aus Afrika und Asien benötige, geliefert wurden drei mögliche Antworten. Von 10.522 Teilnehmern haben 59,88% angeklickt "Weniger als heute". Das war 2007 und wir reden von der Spiegel-Klientel. Spiegel-Leser als braune Kloake?

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