"Was geht ab?" würden meine Söhne fragen.

Man ist ja als Auswärtiger auf Berichte von Leuten angewiesen, die vor Ort an den Pegida-Demonstrationen teilgenommen haben. Es zeigt sich allerdings, dass solche Berichte unzuverlässig sind. Hier äußert sich ein Dr. Krah, der gemeinsam mit Matthias Matussek die Demo besuchte, liest man andere Berichte, wimmelt es dort von Neonazis und Putin-Fetischisten. 

 

 

Wenn mir das schon so geht, dann kann das Anderen nicht anders gehen, also sprechen wir hier mehr oder minder alle wie die Blinden über die Farbe, zumal davon auszugehen ist, dass es sich bei den Demonstranten um eine Gruppe handeln dürfte, die ebensowenig homogen ist wie die ihrer Gegner. Die Antifa ist wie man hört auch vor Ort und sorgt dafür, dass die Dresdner "Wutbürger" nach ihrem "Abendspaziergang" nur in Gruppen nach Hause gehen können, wollen sie nicht angemacht, angespuckt oder geschlagen werden. Niemand hat aber bisher behauptet, von Pegida selbst ginge Gewalt aus.

 

 

Was soll, was kann man also glauben? Wofür steht Pegida?

Das hängt davon ab, was man hat und was man hat(te) war zunächst einmal nur das Pegida-Positionspapier. Rüttelt das Papier an den Grundfesten dieses Staates?

Das Pegida-Positionspapier wird und wurde von den politischen und medialen Frontleuten zunächst ignoriert, offensichtlich fand sich zu wenig rechtsradikales Zeug darin. Dann gingen die ersten Blätter dazu über, sich an einem "Fakten-Check" zu versuchen wie die "Freie Presse" aus Sachsen.

Das ist zumindest einmal eine Antwort in der Sache und nicht die dumme Pöbelei, die man bislang aus NRW und Berlin hörte, auch wenn das beabsichtigte Ziel an allen Ecken und Ende durchschimmert, was egal ist, es ist der Einstieg in die  Debatte und damit zu begrüßen.

Dieses Papier konnte m. E. solche Reaktionen aber niemals rechtfertigen. Folglich MUSS mehr dahinter stecken und deshalb ist das, was ich bislang über Pegida lese eine Ansammlung von Vorurteilen und Unterstellungen, die ich so nicht für möglich gehalten hätte. Es geht nicht mehr darum, was gesagt oder geschrieben wird, entscheidend sind die angeblich dahinter steckenden "wahren" oder "wirklichen" Motive der Bewegung, die zwar nicht zu dem passen, was da schwarz auf weiß geschrieben steht, aber das macht nichts, wo gehobelt wird, da fallen Späne, so arbeitet gesellschaftliche Gesinnungsjustiz nun einmal.

Obwohl - ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen wie der Politzirkus mit einem ihm unbehaglichen Teil der Bevölkerung umgeht, als von "Herdprämie" und ähnlichem die Rede war, nachdem das neue Betreuungsgeld eingeführt werden sollte. Wie immer man dazu steht, Leute auf diese Weise zu beleidigen und eines rückwärts gewandten, spießigen Lebensstils zu bezichtigen, ist Vollpanne, vor allem, wenn man in anderer Hinsicht hypersensibel ist und kulturspezifische Bedenken bei der Abhaltung etwa einer öffentlichen Weihnachtsfestes hat. 

 

 

Über die saumäßigen Reaktionen aus Kreisen sog. Spitzenpolitiker habe ich ja schon was gesagt, sogar aus dem schmuddeligen Fundus des Dritten Reiches bediente man sich.

Ganz vorne dabei wie erwähnt Thomas Oppermann, der mir bislang nicht übermäßig unsympathisch erschienen ist, aber möglicherweise von einer Verstrickung in die Edathy-Affäre ablenken musste, als er wie hier erwähnt vom Leder zog.

Dagegen positionierte sich umgehend Bettina Röhl, die mit ihrer Kritik völlig Recht hatte.

Auch bei AchGut war man baff über die idiotischen Reaktionen aus der Politik und entwarf umgehend ein "Kleines Lexikon über den Umgang mit abweichenden Meinungen". Der Artikel ist prägnant, weil er die Dramaturgie für diese Fälle noch einmal nennt. Ich brauche nicht zu betonen, wie sehr ich die in diesen Fällen omnipräsente "Nazikeule" zum Kotzen finde.

Herzlich gelacht habe ich auch über Alexander Wendts Artikel über die "Wutpolitiker". Das hat mir eine höhnische Anfrage auf Facebook eingebracht, ob ich den Text nicht ein bisschen "vulgär" fände, aber das habe ich nicht weiter beantwortet, denn es ist offensichtlich, dass mein Gegenüber Ursache und Wirkung verwechselt.

 

 

Vince Ebert hat sich erlaubt, Folgendes auf seiner Facebook-Seite zu posten: 

2011: Kernkraft-Unfall weit weg von Deutschland – Deutsche demonstrieren gegen Kernkraft im eigenen Land. 100% Verständnis in den Medien

2014: Islamistische Attentate weit weg von Deutschland - Deutsche demonstrieren gegen Islamismus im eigenen Land. 0% Verständnis in den Medien
Bin irritiert.

 

Abgesehen von 1.047 Likes holte er sich mächtig üble Kommentare ins Haus, weshalb es wirklich witzig ist, wenn aus Foren zitiert wird und diese Zitate den gegnerischen Pöbelhaufen entlarven soll.

Ich kenne kein Forum, in dem nicht unterhalb der Gürtellinie und mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln gefightet würde. Sei´s drum, wer die Hitze nicht erträgt, sollte nicht in der Küche arbeiten, aber dann zu behaupten, man selbst schare nur Saubermänner, pardon Sauberxe hinter sich, der ... , na ja.

Ich habe auch mitgemischt und zwar mit folgendem, zugegeben mit heißem Herzen geschriebenen Beitrag:

"Ich finde, Herrn Eberts Vergleich trifft es ziemlich gut, weil er das "gut" und "böse"-Schema in diesem Land verdeutlicht.

Atomkraft geht gar nicht und da spielt es auch keine Rolle, dass im Kohlebergbau jährlich tausende Kumpel umkommen und ein Tsunami etwa bei Biblis so wahrscheinlich ist wie der Besuch meiner verstorbenen Großmutter zu Heiligabend.

Gar nicht geht auch "gegen Flüchtlinge" zu sein, da walte Herr Niedecken oder noch besser Campino vor. Und wer dann mal vorsichtig die Frage stellt, wer denn bittschön als aufnahmeberechtigter Flüchtling zu gelten hat, dann bekommt man babylonisches Sprachgewirr frei Haus, wie auch bei Anne Will zu sehen war, jedenfalls wenn man Frau Dagdelen folgt.

Offene Fragen wohin man schaut, europaweite Kontingentierung der Afrikaflüchtlinge, die in Italien oder Griechenland stranden, wenn sie das Mittelmeer überhaupt lebend überquert haben, Leute aus dem Armenhaus der EU, Syrienflüchtlinge, Leute, die vor wirtschaftlicher Not flüchten, wie will man es halten?

Alle, keinen, ein paar und wenn ja wer, das sind Fragen, die objektiv ungeklärt sind und die zumindest die Menschen interessieren, die den Laden bezahlen, von oben aber ohne Antwort bleiben oder halt, sie bekommen ja eine Antwort, sei seien eine Schande und ähnlichen Scheiß.

Ganz zu schweigen von einem blutrünstigen Islam, meinetwegen Islamismus, der für praktisch 99% aller Terrortoten weltweit verantwortlich ist und beinharten Parallelgesellschaften, von denen der Rapper Haftbefehl sagt, wenn sich Deutsche in der Türkei aufführten wie die Türken in Kreuzberg, wären sie schon längst abgestochen. Das muss man nicht notwendig verallgemeinern, aber den öffentlich als Nazi hinzurichten, der dazu Frage stellt, beweist, dass es ihm gar nicht um die Sache geht, sondern darum, sein selbstgedrechseltes kleines Puppenhäuschen zu behalten, wie die Kinder eben.

Aber halt, ein weiteres no go, Islam heißt ja per se Frieden und was der Islam genau ist und wie er mit dem säkularen Staat verstöpselt wird und zwar auch noch in 50 Jahren, weiß natürlich auch jeder, der hier die Bürger rasiert, die nichts anderes tun, als von einem grundgesetzlich verbrieften Recht Gebrauch machen.

Wer hier also die Backen aufbläst, sollte mal prüfen, wie er es selbst mit der pauschalen Verurteilung hält und welche Wutpostings er losgeschickt hat, als die Antifa wieder mal einen Stadtteil abgefackelt und Polizisten ins Krankenhaus geschlagen hat, alles Dinge, die bei Pegida NICHT stattfinden.

Und wenn man das Positionspapier liest, dann findet man da Dinge drauf, die für mich so gar keine Steilvorlage fürs Vierte Reich darstellen, im Gegenteil.

Diese gräßliche Nazikeule kotzt mich so was von an, sie ist im Übrigen der beste Beweis, wie überfällig diese Demos waren. Ich muss immer kichern, wenn sich Leute wie hier als freie und fortschrittliche Geister selbst pinseln und nicht merken, wie sie das Lied der Herren Maas &Friends singen, die wie oben beschrieben nicht nur Antworten schuldig bleiben, sondern auch mit Schaum vor dem Mund agieren, dass man richtig Sorge um ihr Wohlbefinden bekommt."


Damit handelte ich mir neben 12 Likes und einem dicken Lob von Frau Jedamzik diese Anmerkung von Frau Quint ein:


Pegida nutzt die Kanalisierung der Ängste einiger Menschen,schürt den Fremdenhass und verstärkt diese mit plumpen Vorurteilen. Ich schäme mich für solche Beiträge auf Facebook und noch mehr darüber, dass jemand in meiner Freundesliste Ihren Post geliked hat, weshalb ich darauf gestoßen bin. Habe jetzt wohl einen "Freund" weniger.


Sie hasst also nicht nur mich und meinen Beitrag, sondern hat auch einen "Freund" rausgeworfen, weil der es gewagt hatte, meinen Beitrag zu unterstützen und damit eine andere Meinung zu vertreten als sie. Bääääng. Ich denke, da ist besagtem "Freund" nicht viel verloren gegangen.

Man stellt sofort fest, dass Frau Quint außer ihrer Meinung nichts, vor allem keinerlei Fakten liefern kann, sagen wir mal außer der von ihr offensichtlich nicht vorausgesehenen Selbstentlarvung, dass es engstirniger und dogmatischer nicht geht. Das ist nicht nur symptomatisch für die von Ebert angestoßene Diskussion gewesen, sondern für das gesamte Niveau der Kritik an Pegida und deshalb stößt mich diese anmassende und arrogante Haltung so unglaublich ab, mal ganz abgesehen davon, dass linksgrüne gute Menschen dabei das Geschäft von Frau Merkel betreiben, hat auch was.

Vince Ebert hat dann übrigens auf ihren Post reagiert:

"Ist die Angst vor dem radikalen Islam denn wirklich so unbegründet? Fragen Sie dazu einfach mal beim Verfassungsschutz nach."

Einfältige Antwort Quint, was das solle, es sei doch nicht jeder Muslim ein Islamist. Als hätte das jemand behauptet. Schlimm, oder?

Und hier noch ein Link zu einem, dem Verallgemeinern und Vorurteile auch so ein Graus sind. Eine echte Doppelbegabung: Neben dogmatischer Einfalt in persona ist er auch ein hundsmiserabler Dichter.

Ich denke, ich nenne das alles jetzt ab sofort Quint-Essenzen.

 

 

Ein Regierungschef als Kronzeuge für Pegida? Zwischen September und November 2014 haben allein 5.000 Serben Asylantrag in der Bundesrepublik gestellt und führen damit die Liste an. Die Serben selbst gehen von 19.000 Asylsuchenden in 2014 aus. Regierungschef Dacic beschuldigt nun seine eigenen Landsleute, sie würden nur "wegen Geld" nach Deutschland reisen, es gehe hier gar nicht um Asyl, sondern rein um Bimbes, weil die in Deutschland bezahlten Sätze deutlich über dem serbischen Durchschnittseinkommen lägen. Es drohe jetzt wieder die Gefahr einer Visapflicht und das sei für das Land "katastrophal".

 

 

Solcher Couleur sind derzeit die Artikel in der FAZ, die dafür sorgten, dass ich unmittelbar vor der Kündigung meines FAS-Abos stand. "Deutschtümelnde", "aggressive Abendländer", "angebliche Überfremdung seiner Bratwurst-Welt", "asylpolitische Detailwirrnisse" und der "Anschluss der NPD Sachsen an die gesellschaftliche Mitte" - das ist Hinrichtungsjournalismus und von einer derart widerwärtigen Häne, man wundert sich, dass die sich wundern über die Verweigerung der Kommunikation.

Zur Kündigung ist es nur deshalb nicht gekommen, weil es a) dort Herausgeber schreiben wie Herrn Kohler und b) Leute gibt wie den Politikwissenschaftler Prof. Patzelt, der durch einen wahren Interview-Marathon gegangen ist, mit seiner Distanz zu Pegida nicht hinter dem Berg hielt, aber immer wieder darauf aufmerksam machte, dass es dabei keinerlei einfachen Erklärungen gibt und es sich beim Gros eben nicht um deutschtümelnde Idioten mit bräunlich schimmernder Gesinnung handelt. Hier dazu ein Link zu einer Sternstunde des Talk-TVs.

 

 

Hier hat sich nun Günter Ederer zu Wort gemeldet mit einem ebenso langen wie beachtlichen Statement.

 

 

Beliebte(ste)s Argument der Pegida-Hasser, um mich mal des BILD-Jargons zu bedienen, der ja die AfD die Heimat der "Euro-Hasser" ist, stellt die Behauptung dar, in Sachsen wohnten ja so wenig Ausländer, weshalb also die Aufregung. Die Schlichtheit des Gedankens springt einen natürlich gleich an, denn mit dieser Ausgangsthese ist es auch ganz und gar unmöglich, sich über die Umtriebe von Berufsarieren auf dem platten Land in MeckPomm aufzuhalten, denn man wohnt da ja nicht.

 

 

 

Nun hat sich der AfD-Landesverband Baden-Württemberg zu Pegida positioniert, hier die brezelwarme Erklärung:

 

"AfD Landesvorstand Baden-Württemberg

RESOLUTION ZUR POSITIONIERUNG GEGENÜBER DER PEGIDA-BEWEGUNG
In vielen Städten Deutschlands finden in diesen Wochen Demonstrationen gegen eine befürchtete Islamisierung Europas statt. In Dresden, dem zentralen Kundgebungsort, hat die Bewegung Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung Europas) zuletzt 15.000 Demonstranten mobilisieren können.

Auch wenn die Organisatoren von Pegida vor kurzem ein Positionspapier mit 19 Punkten veröffentlicht haben, sind die Ziele der Menschen, die an diesen Demonstrationen teilnehmen, noch nicht in allen Einzelheiten erkennbar. Es ist auch nicht anzunehmen, dass es sich um eine homogene Gruppe handelt; vielmehr dürften auch hier viele unterschiedliche Meinungsausprägungen unter einem großen gemeinsamen Nenner vorhanden sein. Ungeachtet dieser Umstände ist es unseres Erachtens richtig, die Sorgen und Befürchtungen dieser Menschen ernst zu nehmen! Sie sind keineswegs alle irrational, wie die Innenminister der Länder uns mehrheitlich weismachen wollen.

Genauso wenig ist die Wahrnehmung des Demonstrationsrechtes eine „Unverschämtheit“, wie ein CDU-Politiker meint. Solch eine Äußerung sagt mehr über den betreffenden Politiker als über die Demonstrationen; so offenbart er nur seine obrigkeitsstaatliche Gesinnung. Die etablierte Politik zeigt hier einmal mehr, warum ihr das Vertrauen von immer mehr Bürgern entzogen wird. Die Menschen glauben einfach nicht mehr, dass die Politik zentrale Probleme in ihrem Sinne lösen wird.

Was die Zuwanderung angeht, sehen wir uns zum einen mit einer Situation konfrontiert, in der die Drittstaatenklausel des geltenden Asylrechtes faktisch weitgehend ausgehebelt wird - für Asylsuchende und Einwanderer ist nicht mehr jenes EU-Land zuständig, das die betreffenden Menschen zuerst betreten, sondern jenes, das scheinbar oder wirklich am großzügigsten gegenüber Einwanderern jeder Art ist. Das führt dazu, dass sich die Immigrationsströme übermäßig stark auf Deutschland und wenige andere Länder konzentrieren.

Zum anderen findet zwar in der Theorie noch eine Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und jenen Menschen statt, die eigentlich nur auf der Suche nach Arbeit und einem Auskommen sind (was per se nicht illegitim ist, aber kein Recht auf Einwanderung begründet). In der Praxis wird diese Unterscheidung aber bedeutungslos, weil im Grunde genommen fast jeder, der es einmal geschafft hat, die Grenzen der EU zu überschreiten, eine Art dauerhaftes, wenn auch prekäres Bleiberecht für sich beanspruchen kann.

Weite Teile der linken Parteien (Grüne, SPD, Die Linke) verfolgen im Übrigen bewusst eine Politik, die diese Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und anderen Einwanderern fundamental ablehnt und die Asylpolitik zu instrumentalisieren versucht, um letztlich einen lockeren Verband disparater ethnischer Gruppen an die Stelle des angestammten Staatsvolkes mit einheitlicher Sprache und Kultur zu setzen, das zwar für Zuwanderung offen ist, jedem Zuwanderer aber eine Integrationsleistung abverlangt.

Das stößt in weiten Kreisen der Bevölkerung, übrigens auch bei vielen gut integrierten Zuwanderern, auf Ablehnung, und dieser Widerstand gegen das Versagen der Politik und eine Zweckentfremdung des Asylrechts ist durchaus berechtigt.

Es ist auch schwer zu übersehen, dass innerhalb des Islams während der letzten Jahrzehnte Strömungen an Einfluss gewonnen haben, die die westliche Kultur und ihre Werte – damit implizit aber auch den modernen Verfassungsstaat und die universalen Menschenrechte – in einer Art Revolte gegen die westlich geprägte Moderne ablehnen.

Der Versuch, aus der Türkei wieder einen dezidiert islamischen Staat zu machen, unter Zurückdrängung des säkularen Erbes des Kemalismus, ist dafür ein besorgniserregendes Beispiel, das verglichen mit den Vorgängen in Syrien freilich noch harmlos wirkt. Dieser politische Islam, der eigentlich zurück in die Vergangenheit will, gewinnt auch in Europa sichtbar an Einfluss.

Die etablierten Parteien verstärken diese Tendenz oft noch, weil sie in konservativen oder sogar in latent fundamentalistischen Islamverbänden einen wichtigen Partner sehen. Sie wagen es oft nicht mehr, die Normen der Verfassung und die Grundwerte der europäischen Kultur, in denen diese Normen ihren Ursprung haben, offensiv zu verteidigen. Zu den Freiheiten, die wir rigoros verteidigen müssen, gehört etwa die Möglichkeit von Frauen, sich genauso ungezwungen in der Öffentlichkeit zu bewegen wie die Männer.

Es sind zum Teil sogar liberale, pro-westliche Muslime, die den Mut haben, hier Widerstand zu leisten, was jedoch nicht selten mit einem erheblichen persönlichen Risiko verbunden ist. Gegen solche Fehlentwicklungen zu protestieren, ist berechtigt, ja sogar notwendig.

Umgekehrt lehnen wir es aber kategorisch ab, alle Muslime unter einen Generalverdacht des Extremismus zu stellen. Dies würde Menschen muslimischen Glaubens die Fähigkeit absprechen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Uns sollte es nicht um die Herkunft oder Religion eines Menschen gehen, sondern darum, ob er gewillt ist, ein redliches Mitglied unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu werden und zu sein.

Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn auch Muslime in unserem Land und in Europa sich als Bürger engagieren und Verantwortung übernehmen; der Vorsitzende der Fraktion, der die AfD im europäischen Parlament angehört, Syed Kamall, ist z. B. ein praktizierender Moslem, der in vorbildlicher Weise für die Interessen seiner Heimat, Großbritannien, und für ein weniger zentralistisches Europa kämpft.

Sehr kritisch und mit Besorgnis sehen wir auch die durchaus erkennbaren Versuche latent oder offen rechtsradikaler Gruppierungen, die Pegida-Bewegung für sich zu instrumentalisieren. Wir begrüßen es daher sehr, dass sich die Organisatoren von diesen Gruppierungen klar distanzieren. Insgesamt handelt es sich bei Pegida um eine gewaltfreie Bürgerbewegung, deren Positionspapier große Übereinstimmungen mit den politischen Einschätzungen und Forderungen der AfD aufweist.

So lange sich an dieser Grundsituation nichts Maßgebliches ändert, erachten wir die Pegida-Demonstrationen als einen vom Grundgesetz geschützten öffentlichen Ausdruck der Bürger, mit dem sie auf ein Versagen der Politik aufmerksam machen.

Wir sind für eine Einwanderungspolitik mit Augenmaß! Diese darf nicht die moralische Verpflichtung, politisch verfolgten Menschen oder Bürgerkriegsflüchtlingen zu helfen, dadurch diskreditieren, dass man versucht, jeden Einwanderer, der zu uns kommt, automatisch als „Flüchtling“ mit permanentem Bleiberecht zu betrachten.

Menschen in Not zu helfen ist schlussendlich nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch ein sozialer Wunsch der meisten Menschen. Wenn linke Parteien und Lobbyorganisationen dies ausnutzen, um eine Masseneinwanderung gegen die gültige Rechtslage durchzusetzen, so ist das nicht moralisch, sondern verantwortungslos, denn es gefährdet langfristig den sozialen Frieden in unserem Land.
Bernd Kölmel Prof. Jens Zeller
Dr. Marc Jongen Helmut Schneider Dr. Bernd Grimmer
Dr. Harry Behrens Markus Frohnmaier Sven Kortmann Prof. Jörg Meuthen

 

 

Jetzt wird alles gut, Matthias "The Brain" Schweighöfer hat sich zu Wort gemeldet. "Was soll das eigentlich für ein friedliches Weihnachtsfest werden, wenn so viele Pegida Deppen und Mitläufer unser land in den Abgrund ziehen ... ? Leute, lasst uns ein offenes und gutes Land sein!!! Wir haben das Zeug dazu! Peace!" Ende der Durchsage. Gott sei Dank.

 

Abschließend ein nachdenkliches Statement von Gerd Held von letzter Woche:

Bettina Schausten und die „Angstbürger"
Diesmal waren es also 15 000 in Dresden, mindestens. Nach den 10 000 Demonstranten in der Woche vorher war ein mediales Trommelfeuer auf die Menschen heruntergeprasselt, um ihnen die Straße auszureden. Es hat offenbar nicht funktioniert.
Die Vorgehensweise der öffentlichen Meinungsbildner war dabei durchaus raffiniert. Man behauptete nicht, dass die Menschen auf der Straße alle gewalttätige Neonazis sind. Man sagte Ihnen „Wir haben Euch verstanden, Ihr habt halt Angst". Am vergangenen Sonntagabend in der Sendung „Berlin direkt" hat Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, diese Wortstrategie offiziell gemacht: In Dresden sollen die „Angstbürger" unterwegs sein.


Worte legen Gedankenwege fest. Wer als „Angstbürger" bezeichnet wird, dem wird damit der Titel des mündigen Bürgers aberkannt. Der Angstbürger ist ein irrational Getriebener, und deshalb automatisch anfällig für rechtsradikale Propaganda. Was er selber zu sagen hat, interessiert eigentlich gar nicht. Man muss ihm nicht zuhören, denn man weiß ja schon alles: Er hat Angst. 
Dabei enthält das Wort des „Angstbürgers" noch ein perfides Element. Es unterstellt dem Bürger egoistische Motive. Er soll Angst haben um seinen Arbeitsplatz, um sein Geld, um seinen sozialen Rang oder um seine Nachtruhe. Demgegenüber können sich dann alle jene, denen bei Migration nur „mehr Vielfalt" einfällt, als die Vertreter des Gemeinwohls aufführen.

 

Nun gab es am Montagabend eine interessante Diskussion im MDR. Sie war durchaus unterschiedlich zusammengesetzt, aber man kam ohne das große Pro oder Contra aus. Stattdessen kamen einige praktische Dinge auf den Tisch: Was wird aus einem Ort mit 150 Einwohnern, wenn dort 50 Migranten hineingesetzt werden? (Es wurde ein Plakat eingeblendet, auf dem Einwohner geschrieben hatten „10 Flüchtlinge ja, 50 Flüchtlinge nein"). Will man Leute ohne jede deutsche Sprachkenntnis in eine Klasse neben andere Schüler setzen, weil man keine Lehrer für zusätzliche Klassen hat? Wer soll überhaupt die Betreuung übernehmen, wenn die Flüchtlinge in einem Flächenland auf hunderte von Orten verstreut werden? Wer beobachtet, wie sie sich entwickeln und ob sich eventuell einzelne von ihnen radikalisieren, Straftaten begehen oder Banden bilden? Und warum gibt es keine verlässlichen Prognosen über die Migrantenzahl der kommenden Monate? Warum gibt es zahlenmäßige Zusagen für einzelne Notgebiete (Syrien), aber keine festgelegte Gesamtzahl wie in der Schweiz?
 

Sind solche Fragen dumme Fragen? Merkwürdigerweise konnte sie keiner der Verantwortlichen an diesem Abend konkret und glaubhaft beantworten.
Berichtet wurde auch, dass es viele Menschen gibt, die durchaus eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen wollen, die aber bei jungen, alleinstehenden Männern Gefahren sehen. Sind solche Bedenken ein Zeichen der Unwissenheit, die den Bürgern im Osten der Republik ja oft in Sachen Einwanderung unterstellt wird? Im Gegenteil, sie scheinen das Problem der Bindungslosigkeit von Migranten und die Zahlen der Schul- und Kriminalitätsstatistik besser zu kennen als andere.

 

Und aus keinem dieser Anliegen spricht nur Egoismus, sondern sehr deutlich die Besorgnis um das Gemeinwohl: um einen Ort, um eine Schule, um eine Stadt, um das ganze Land.
So findet in diesen Wochen in Dresden etwas in der jüngeren deutschen Geschichte Ungewohntes statt - ein konservatives Thema findet auf die Straße. Konservativ heißt hier nicht, dass mit Ressentiments gegenüber anderen Nationalitäten und Religionen jegliche Veränderung abgelehnt wird. Aber es wird verlangt, dass Deutschland das Recht hat, seine eigenen Errungenschaften und Maßstäbe gegenüber denjenigen geltend zu machen, die hier leben wollen. Und dass es das Recht hat, die Zahl der Zuwanderer so zu begrenzen, dass sie zur begrenzten Größe der Republik im Verhältnis steht.

Laut Umfragen sind heute zwei Drittel der Deutschen der Auffassung, dass die Migration außer Kontrolle geraten ist. Die Forderung nach Herstellung eines gesetzlichen und auf Dauer haltbaren Zustands ist da legitim. Das Volk macht sein Recht geltend, in einem Land mit einer bestimmten Charakteristik zu leben und seine Geschichte weiterzuschreiben. Die Losung „Wir sind das Volk" sagt jetzt deutlicher ein „dies": „Wir sind dies Volk". Wir leben in diesem Land - und nicht im Irgendwo und jeden Tag mit neuer Besetzung. 
 

Das könnte man für eine Selbstverständlichkeit halten. Aber offensichtlich ist es das nicht, wie die hysterische Reaktion der öffentlichen Diskurslenker zeigt. Auf einmal wird deutlich, dass hier ein geheimes Tabu berührt ist. In Deutschland macht sich verdächtig, wer über Deutschland nachdenken will und sich des eigenen Landes vergewissern will. Wer nicht nur global denken will, sondern das sucht, was dies Land im globalen Konzert darstellt und dauerhaft darstellen kann.
 

Für einen solchen Konservativismus sind die Dresdener Demonstrationen ein Weckruf - nicht zuletzt, weil sie ohne Lenkung durch eine Partei, ohne dominante Führer und ohne vorgedruckte Transparente auskommen. Gerade das wenig Organisierte macht die Versammlungen beeindruckend. Insofern ist auch das Label „Pegida" nur provisorisch. Hier ist mehr als ein organisierter Verband auf der Straße und damit ähneln sie durchaus früheren wichtigen Demonstrationen, die das lange Ungesagte endlich aussprachen. 
 

Gewiss wird die Mär von den „Angstbürgern" noch unzählige Male erzählt werden. Das ist kein Grund zur Sorge. Je penetranter die Meinungslenker auftreten, umso mehr wecken sie den Eigensinn der Menschen. Es ist inzwischen zu einer Frage der geistigen Selbstachtung der Bürger geworden, bei der Migrationskrise ihre eigenen Fragen zu stellen. Und diese Krise lässt sich auch nicht in der gleichen Weise aufschieben, wie es mit der Schuldenkrise geschieht. Jede Woche wird unerbittlich neue Zahlen und neuen Handlungsdruck liefern. Da bekommt auch Bettina Schausten am Sonntagabend nicht mehr den Deckel drauf. 

 

 

 

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