Anfang 1998 erließ die „Internationale Islamische Front für den Dschihad gegen die Juden und Kreuzfahrer“ eine Fatwa mit folgendem Inhalt:“ Jeder Muslim, der dazu in der Lage ist, hat in jedem Land, in dem das möglich ist, die individuelle Pflicht, die Amerikaner und ihre Verbündeten – Zivilisten und Militärangehörige – zu töten.“ Diese Fatwa ist Grundlage aller Anschläge der al-Qaida seither. Unterzeichnet wurde die Fatwa von Osama Bin Laden, Ajman al-Sawahiri (für al-Dschihad), Rifaj Taha (für Gamaa Islamija), Mir Hamsah (für Jamiat-ul-Ulema), Fadl-al-Rahman (für Harakat al-Ansar) und Abdul Salam Mohammed Khan (für die Dschihad-Bewegung Bangla-Desh). Bin Laden bestätigte in einem Interview mit dem amerikanischen Reporter John Miller,  dass gerade auch die Tötung von Zivilisten mit umfasst sei. Der meint also auch mich, demnach persönliches Pech, sollte ich mal zur falschen Zeit am falschen Ort sein, denn nötigenfalls resultiert meine Schuld daraus, dass ich der ungläubigen bundesdeutschen Regierung mittels meiner Steuergelder helfe, die bundesdeutsche Regierung ihrerseits den Amerikanern in ihrem  Kreuzzug gegen hilf- und harmlose Muslims behilflich ist, weshalb Herr Obama und ich  unvermittelt in der Tradition eines Gottfried von Bouillon zu stehen scheinen.

Das wirft eine Frage auf: Gibt es eigentlich Fatwas GEGEN Bin Laden und seine Mordbrenner? Ja! Eine! Die Islamische Kommission Spaniens hat in einer Fatwa nach den Anschlägen auf die Vorortzüge in Madrid im März 2005 ausdrücklich festgestellt, Bin Laden sei von der Religion abgekommen. Wörtlich heißt es dort:“ Die terroristischen Akte von Osama bin Laden und seiner Organisation, der Al Qaeda ... werden hiermit verboten und sind nicht mehr Teil des Islam.“ Soweit ersichtlich war es das dann aber auch.

Wenn es nur die eine Fatwa gibt, dann bedeutet das doch, dass Bin Laden sich nach Meinung der überwiegenden Zahl der Religionsgelehrten im Einklang mit dem Koran befindet, was aber nichts sein kann, denn zum Einen  verbietet der Islam doch die Tötung von Moslems, aber auch von Ungläubigen, und im Übrigen ist er doch so tolerant Andersgläubigen, gerade Juden und Christen gegenüber, da sie (angeblich) ja auch Religionen des Buches sind? Ich muss gestehen, ich bin verwirrt.

Anhalt könnte beispielsweise folgende saudische Fatwa wohl aus 2006 (nicht etwa 1006) sein, die zeigt, woher der Wind weht:

Der Ständige Rat für Wissenschaftliche Forschung und Religiöse Rechtssprechung hat die Anfragen studiert, die Einzelne vor den Haupt-Mufti gebracht haben… betreffend das Thema des Baues von Gottesdienst-Gebäuden für Ungläubige auf der Arabischen Halbinsel, wie Bauten von Kirchen für Christen und Kultstätten für Juden und für andere Ungläubige und (die Frage von) Eigentümern von Unternehmen oder Organisationen, welche für ihre ungläubigen Mitarbeiter einen festen Platz bereitstellen, um ihre Riten des Unglaubens zu vollziehen.

Nach Prüfung der Anfragen antwortet der Rat wie folgt:

Alle Religionen außerhalb des Islams sind Häresie und Irrtum. Jedweder Ort für (die) Gottesverehrung außerhalb des Islams ist ein Ort der Häresie und des Irrtums, denn es ist verboten, Allah in irgend einer anderen Weise zu verehren als auf die Art wie sie Allah im Islam vorgeschrieben hat. Das Gesetz des Islams (die Scharia) ist das abschließende und endgültige religöse Gesetz. Es gilt für alle Menschen und Dschinns und hebt alles auf, was vor ihm bestand. Dies ist eine Sache, über die Übereinstimmung herrscht.

Jene, die beanspruchen, dass Wahrheit sei in dem, was Juden sagen, oder in dem, was Christen sagen – ob er zu ihnen gehört oder nicht – verleugnet den Koran und des Propheten Muhammads Sunna und den Konsens der Muslimischen Nation (Umma)… Allah sagte: „Der einzige Grund, weshalb Ich euch sandte, war gute Nachricht und Warnungen allen zu bringen [Koran 34:28]‘; ‘O Volk, Ich bin Allahs Botschafter zu allen von euch [Koran 7:158]‘; ‘Allahs Religion ist der Islam [3:19]‘; ‘Wer auch immer eine Religion sucht außerhalb des Islams, wird keine Annahme finden [3:85]‘; ‘Die Ungläubigen aus dem Volke des Buches [d.h. Juden und Christen] und die Polytheisten (diejenigen, die an mehr als einen Gott glauben (Dreifaltigkeit)) sind im Höllenfeuer und werden [dort] bleiben für immer. Sie sind das Übelste der ganzen Schöpfung… [98:6].’

Deshalb macht die Religion das Verbot des Unglaubens nötig, und dies (wiederum) erfordert des Verbot, Allah in irgendeiner anderen Weise zu verehren als wie es bestimmt ist in der islamischen Scharia. Darin eingeschlossen ist das Verbot, Häuser zu bauen für einen Gottesdienst gemäß den abgeschafften (aufgehobenen) religiösen Gesetzen, den jüdischen oder christlichen oder was auch immer, da solche Kultstätten – seien sie Kirchen oder andere Häuser der [Gottes]Verehrung – als häretische Häuser des Kultes betrachtet werden, weil die Anbetung, die in ihnen praktiziert wird, eine Verletzung der Islamischen Scharia ist, welche alle religiösen Gesetze aufhebt, die vor ihm (dem Islam) bestanden. Allah sagt über die Ungläubigen und ihre Taten: ‘Ich will jeder Tat, die sie begangen haben, entgegenwirken, und Ich werde sie zu Staub machen, der im Winde verweht [Koran 25:23].’

All das wirft für mich eine weitere Frage auf:

Al-Qaida ist eine Terrororganisation, die u. a. deshalb derartigen Zulauf hat(te), weil sich in den islamischen Staaten und nicht zuletzt auch in vielen "westlichen" Staaten eine wachsende Zahl frustrierter, wütender, eingebildet oder tatsächlich benachteiligter und gekränkter junger Männer findet, die ihr Heil in Folge schlechter oder völlig fehlender Zukunftsaussichten in einer absurden Interpretation ihres Glauben suchen.

Ist es daher eingedenk des Umstandes, dass es meines Wissens keinen einzigen pluralistischen und/oder demokratischen islamischen Staates gibt (mit allen Folgen für das Bildungsniveau und den freien Informationsfluss)  für große Teile der islamischen Religionsautoriäten leichter,

a) sich an die Spitze eines tendenziell explosiven Mobs zu setzen, Frustrationen  zu nutzen und unislamische Umtriebe zu geißeln oder

b) ggf. wider die Interessen der Staatsführung Aufklärungsarbeit zu leisten und Toleranz zu predigen, nötigenfalls unter Gefährdung der eigenen körperlichen Integrität und auf die Gefahr hin, eigenen Einfluss zu verlieren?

25.10.2009 

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