Der russisch-orthodoxe Priester Aleksejs Ribakovs zieht nun aus Bochum-Querenburg weg. Grund ist ein Angriff muslimischer Jugendlicher am 18.10.2009, der das Fass zum Überlaufen brachte. Schon seit fünf Jahren wird der Priester wegen seines Glaubens verfolgt, ebenso wie andere christliche Bewohner des Viertels, die aber bereits weggezogen sind. Am 18.10. lauerten die Jugendlichen Ribakovs, der nach einer Messe in Priestersoutane mit aufgenähtem Kreuz unterwegs war, auf, schlugen und bespuckten ihn mit den Worten „Scheiß Christ“ und „Scheiß Priester“. „So“ – mit Soutane und Kreuz – solle sich Ribakovs nicht mehr im Viertel blicken lassen. Jetzt ist es aus Ribakovs´ Sicht genug, auch wegen seiner Familie, er zieht weg, übrigens auch zum Bedauern muslimischer Nachbarn. Man könnte das nun als Hirnlosaktion strukturell benachteiligter Jugendlicher abtun. Auffällig ist aber, dass Ribakovs erkennbar dort nicht das erste und einzige Opfer religiös motivierter Vertreibungspolitik ist und diese Vorfälle leider wieder einmal belegen, dass eine entschlossene und gewaltbereite Minderheit in der Lage ist, gesellschaftlich absolut unerwünschte und vor allem grundrechtswidrige Fakten mit erheblicher Streubreite zu schaffen, obwohl – und davon gehe ich auch hier aus – die Mehrheit in Bochum-Querenburg den Fortzug Ribakovs bedauert. Das zeigt die Sprengkraft derartiger Ereignisse, die als Katalysator für Nachahmungstäter dienen werden. Beschämend ist für unsere Gesellschaft, dass es nicht gelingt, Mitbürger wie Ribakovs zu schützen. Und ebenso beschämend ist, dass hierüber kein Diskurs stattfindet, denn diese Meldung kam nur verschämt-versteckt irgendwo unter Verschiedenes. Aber wir lernen ja jeden Tag aufs Neue, uns mit angeblich Unveränderlichem und Unabwendbarem abzufinden. Und ein Diskurs soll ja stattfinden, hinter verschlossenen Türen auf den Islam-konferenzen in Berlin, die aber so allmählich eher an Blitzableiter als an sonst etwas erinnern. Man darf gespannt sein, wohin das alles führt.

3.11.2009


Artikel auf der Seite von Milli Görüs vom 10.12.2009:

 

"Islamfeindschaft bekämpfen – durch stärkeren Druck auf Muslime?

Der aktuelle Jahresbericht der Langzeitstudie über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von 15 Wissenschaftlern um den Soziologen Wilhelm Heitmeyer hat besorgniserregende, aber sicherlich nicht überraschende Ergebnisse zu islamfeindlichen Einstellungen in Europa hervorgebracht. Demnach sei die Ablehnung gegenüber dem Islam europaweit stark ausgeprägt. Zudem liege die Vermutung nahe, dass der Schweizer Minarett-Beschluss in jedem anderen europäischen Land genauso zustande gekommen wäre, wenn es dort eine Volksabstimmung in dieser Frage gäbe.

 Bezeichnend, dass die wenigsten Medien darüber berichtet haben. Noch bezeichnender, dass sich nur wenige Politiker dazu geäußert haben. Dies stellt auch der Verantwortliche der Studie, Wilhelm Heitmeyer fest: “Von Seiten der CDU gab es wenig Interesse.“ Was ist der Grund für dieses auffallende Desinteresse, sollte man sich fragen, wo doch diese und andere Ergebnisse der Studien eine seit Jahren anhaltende, stetige Zunahme von Ressentiments gegenüber Muslimen belegen.

 Politiker verschweigen die Probleme oder reden sie klein, Gegenmaßnahmen bleiben völlig aus. Und wenn mal Äußerungen dazu fallen, dann nur in die Richtung der Muslime. So auch die Verlautbarungen nach der letzten Innenministerkonferenz. „Die Muslime sollten sich bei Moscheebauten zurückhalten.“

 Im Anbetracht der aufgeladenen politischen Stimmung, die von so manchem Politiker maßgeblich mitverantwortet werden muss, scheint diese Äußerung legitim zu sein. Wenn dann jedoch durch den Bundesinnenminister gesagt wird, er glaube nicht, dass die Mehrheit der Deutschen so islamskeptisch gesinnt sei wie die meisten Schweizer, dann verstehe die Welt, wer will.

 Auf der einen Seite wird weiterhin mächtig Druck auf die Muslime ausgeübt, auf der anderen Seite wird nicht das Geringste zur beängstigenden islamfeindlichen Stimmung in der Mehrheitsbevölkerung gesagt. Dann soll aber noch der Dialog mit den Muslimen intensiviert werden. Hoffentlich nicht mit dieser Geisteshaltung."


Das, Leute, ist genau der Diskussionsbeitrag, den wirklich niemand benötigt. Außer Milli Görüs natürlich.

Abgesehen davon, dass er vor Larmoyanz trieft wie ein fettiger Döner und nichts zu bieten hat außer lächerlichen Versatzstücken aus der Pogrommottenkiste, klafft an der Stelle, an der man auch eine kritische Analyse in Richtung Mitverursachung durch Vertreter dieser Religion erwartet hätte,  ein riesiges Loch. Schuld sind wie immer alle Anderen (insoweit wäre die Integration im Michelreich übrigens gelungen!).

Und eines noch - Heitmeyer hat sich anders als der Artikel nahelegen will, nicht nur mit der latent islamkritischen Haltung eines Teils der deutschen Bevölkerung befasst, sondern auch mit Homophobie, Abwertung von Obdachlosen, Antisemitismus, Abwertung von Langzeitarbeitslosen, Fremdenfeind-lichkeit und klassischem Sexismus, also all den Dingen, mit denen sich ein Teil dieser Bevölkerung seit jeher schmückt wie andere sich mit Orden oder einem Mercedesstern. Das hat die Herrschaften von Milli Görüs aber nicht weiter interessiert, hätte ja auch irgendwo der Message geschadet.

Übrigens genauso wie die Schlussfolgerung in der aktuellen Studie der Gruppe um Heitmeyer, wonach - entgegen der Erwartung - die Gewaltbereitschaft gegen Außenseiter in Deutschland nicht proportional zur Schwere der Wirtschaftskrise zugenommen hat.

Fazit: Nichts als heiße Luft. Setzen, sechs.



Wie man mit Kritik und/oder Befürchtungen in bestimmten deutschen Islamkreisen umzugehen gedenkt, wird hierdeutlich. 

Es handelt sich um einen geifernden Artikel vom 22.1.2010 auf www.islam.de, der an exponierter Stelle gebracht und nicht kommentiert wird. Hat man den Begriff "Bärendienst" unter Umständen auf der arabischen Halbinsel erfunden? Übrigens - betrachtet man sich gleichzeitig die sog. "rules of ethics", die man sich und den Usern angeblich auferlegt hat, versteht man, was mit "ad absurdum führen" gemeint ist.

29.1.2010



Was hat Thilo Sarrazin auf die Mütze bekommen nach seinem Interview für das Berlin-Heft des Magazin "Lettre International".

Wer die Sache aber mit der in meinen Augen dringend erforderlichen Gelassenheit angeht, wird feststellen, dass Sarrazin zwar stellenweise durchaus polemisch und überspitzt formuliert, aber auf sehr viel Wahres hinweist.

Die hysterischen Reaktionen auf das Interview zeigen mir, dass es wie mehrfach erwähnt gar nicht mehr erforderlich ist, den Gegenstand der Entrüstung auch nur ansatzweise zu kennen, nein, wir leben auch in einer Zeit, in der es mitunter anregender wäre, sich mit einem bekennenden Links- oder Rechtsradikalen zu unterhalten als mit jemandem, dem das politisch Korrekte die Cerebralgrütze auf Erbsengröße geschrubbt hat.

Die Radikalen haben wenigstens eine - wenn auch ausgesprochen beschissene - Meinung und sie sagen sie uns auch.

Hier kann man übrigens eine gelungene Zusammenfassung lesen, warum die Medien und weite Teile der bundesdeutschen Öffentlichkeit völlig zu Unrecht in eine moralische Lynchstimmung versetzt wurde.

Und hier gibt es aussagekräftige Auszüge aus dem Interview.

Oder um es noch mal klar zu sagen - der Vorwurf des generellen Türken- oder Araberbashings ist so was von daneben. Hab´ ich immer gesagt. Aber ich hab´ den Text ja auch gelesen, weil ich bereit war, einige Euronen für das Heft auszugeben. 




Was soll diese blindwütige Gifterei des Herrn Mazyek? 

Er beklagt Verallgemeinerung und spricht selbst nur von "den Muslimen", ganz abgesehen davon, dass a) Kinder vergewaltigende Priester sich nicht als Rechtfertigung auf die Bibel berufen und b) mir nicht klar ist, weshalb ich im Zusammenhang mit den Problemen, die wir nun einmal allein und ausschließlich mit Muslimen haben, etwa die Finanzkrise bemühen muss. 

Müßig zu erwähnen, dass es auch nach dieser erneuten Mazyek´schen Minenlegung keine Auseinandersetzung mit den für den Rest der Welt klar erkennbaren Problemen gibt. In dessen Welt gibt´s nur Muslimbashing. Und der will auf der Islamkonferenz Probleme lösen?

4.11.2010



Hier findet sich der Aufsatz von Andrea Posor und Christian Meyer, Ausschuss für multikulturelle Angelegenheiten, in der 11.Ausgabe 2009 der blz, also der Mitgliederzeitschrift der GEW in Wowereits Berlin. 

Man kann der GEW vorwerfen was man will, rechtslastig ist sie nun nicht gerade. Ein echter "Frontbericht", der bislang eher ungehört verhallte.

Norbert Gundacker, Hauptschullehrer und Vizevorsitzender der GEW Berlin legte in diesem Interview mit der "Berliner Zeitung" vom 5.10.2010 noch einmal nach.

27.10.2010


Kurzer Ausblick Dezember 2011: Soweit erkennbar keine Reaktion der Politik 




Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner fein ziselierten Entscheidung vom 15.01.2002 das sog. „Schächen“ oder „Schächten“ von Warmblütern – wie es von Angehörigen des jüdischen oder islamischen Glaubens praktiziert wird -  erlaubt.

Geklagt hatte ein muslimischer Metzger (meines Wissens Rüstem Altinküpe), der sich durch eine von den Behörden nicht erteilte Ausnahmegenehmigung in seinen Grundrechten, insbesondere der unein-geschränkten Religionsausübung verletzt sah.

Bei einer Schächtung wird das Tier nicht wie bei der konventionellen Schlachtung vor dem Halsschnitt betäubt, sondern erlebt den Schnitt und das nachherige Ausbluten bei vollem Bewusstsein.

Aus diesem Grund sind Tiere grundsätzlich vor der Schlachtung zu betäuben, es sei denn, es handelt sich um eine Notschlachtung oder es liegt eine Ausnahmegenehmigung vor.

Das Bundesverfassungsgericht ging bei seiner Entscheidung sehr weit zu Gunsten des strenggläubigen Metzgers.

Anspruch auf eine Ausnahmegenehmigung haben nicht nur Metzger generell islamischen Glaubens, sondern sogar solche Antragsteller, die einer Gruppe von Menschen angehören, welche eine gemeinsame Glaubensüberzeugung verbindet.

Deshalb kämen „auch Gruppierungen innerhalb des Islam in Betracht, deren Glaubensrichtung sich von derjenigen anderer islamischen Gemeinschaften unterscheidet“.

Diese Haarspalterei war mir neu. Ich war bis dato der Meinung, dass die Schächtvorschriften des Koran für alle Muslime gleich lauten würden.

Demnach scheint es also nicht notwendig dem Koran zu widersprechen, Tiere vor der Schlachtung zu betäuben. Das sagt mir zumindest der Umkehrschluss.

 So weit, so schlecht.

Aber was bedeutet überhaupt „Schächtung“?

Dem Tier werden mit einem Schnitt durch den Hals die meisten Blutgefässe durchtrennt. Das Blut strömt aus dem Körper, die Blutversorgung soll unterbrochen sein und das Tier stirbt durch Blutentzug. Auf die Betäubung wird beim rituellen Schlachten verzichtet, um sicherzustellen, dass das Tier beim Schnitt tatsächlich lebt, da das Fleisch in beiden Religionen nur dann als rein gilt, wenn es lebend und unversehrt ausgeblutet ist.

Das Tier erlebt demnach die Zeit – bei Rindern bis eineinhalb Minuten - mit durchtrenntem Hals, Atemnot und auch Erstickungsanfällen bewusst mit.

Hinzu kommt, dass das Tier kopfüber hängt, demnach das Gehirn – insbesondere bei einem ungenauen Schnitt - nach wie vor mit Blut versorgt wird und es auf Grund der starken Knochen im Bereich des Halses/Nackens unmöglich ist, die dort liegenden Nervenbahnen zu durchtrennen.

Kaum noch der Erwähnung wert ist, dass das Tier vor der Schlachtung ohnehin durch Fixierung in Seiten- oder Rückenlage stark belastet worden ist.

 

Tut mir leid, aber diese Sauerei geht mir zu weit.

Die meisten von uns essen Fleisch und kaum jemand beschönigt die Situationen bei Tiertransporten und in Schlachthöfen.

Sicher wird auch bei der konventionellen Schlachtung genügend gepfuscht. Hier bedarf es zweifelsohne der rigorosen Durchsetzung gesetzlicher Vorgaben und der Sanktionen im Falle von Verstößen.

Das ändert aber nichts daran, dass die gesetzlichen Vorgaben bei der konventionellen Schlachtung zwingend eine Betäubung des zu schlachtenden Tieres voraussetzen, um die oben beschriebenen Qualen des Tieres zu vermeiden und hier liegt der prinzipielle Unterschied.

Die Schweiz, Norwegen, Schweden, Neuseeland, Liechtenstein und Island haben das eingesehen und ein generelles Verbot des betäubungslosen Schlachtens durchgesetzt, warum klappt das bei uns nicht?

Ich hege die Vermutung, man scheut die Auseinandersetzung insbesondere mit einem immer stärker werdenden Islam in Deutschland, der sich nicht scheut, sofort mit der Fremden-feindlichkeitskeule zu winken.

Wie es gehen kann, zeigt auch das Beispiel aus den USA, Österreich und Dänemark. Dort haben strenggläubige Muslime und orthodoxe Juden die Betäubung durch Bolzenschuss nach dem Halsschnitt anerkannt.

Solange aber beispielsweise das Bundes-verfassungsgericht selbst nach Strömungen innerhalb des Islam fahndet, um den Anspruch auf  eine Ausnahmegenehmigung zu begründen, sind wir noch Meilen davon entfernt, rituelle Schlachtmethoden und Tierschutz unter einen Hut zu bringen.

 P.S.: Noch am Tage der Entscheidung (15.1.2002) des Bundesverfassungsgerichts veröffentlichte der Zentralrat der Muslime in Deutschland eine Presseerklärung, in der er die Entscheidung pries und unter anderem wörtlich ausführte:“…Wir sind der Überzeugung, dass das Schächten bei Beachtung der islamischen Vorschriften für das Tier die humanste Schlachtmethode ist…“.

Aha.

Oktober 2007

Februar 2009. Die Sache geht weiter. Der Lahn-Dill-Kreis wehrt sich nach wie vor im Sinne des Tierschutzes gegen die erteilten Genehmigungen und auch das Gießener Verwaltungsgerichthat die Tiere nicht vergessen, wie der Homepage von Milli Görüs unter der auf Ausgleich bedachten Überschrift "Deutschland, Recht, Diskrimierung" zu entnehmen ist.

Dezember 2011. Volltreffer in die Pulverkammer deutscher Gutmenschen und Biedermänner sowie des Herrn Altinküpe, dem man allmählich das Handwerk legen sollte. Ab sofort ist das betäubungslose Schächten von Tieren in der Türkei verboten. Das Diyanet hat bekannt gegeben, es gebe keine religiösen Bedenken gegen die Betäubung vor dem Schlachten zur "Vermeidung von Qualen für das Tier". Spät kommen sie, aber sie kommen und das finde ich prima. Die Niederlande haben bereits seit Mitte 2011 ein Schlachtverbot ohne vorherige Betäubung und vielen Ländern war das ohnehin schon seit längerem verboten.

Nur die Deutschen, die haben neben vollen Hosen ja die bundesverfassungsgerichtlich abgesegnete Friedhofsruhe und ihren § 4a TSchG, an dem sie im Interesse eines friedlichen Zusammenlebens mit ihren muslimischen Mitmenschen oder besser deren religiösen Speerspitzen auch nicht rütteln wollten, Schlachttiere haben bekanntlich keine Lobby, kein Milli Görüs und keinen Aiman Mazyek.

 

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