Die Jury der „Gesellschaft für die Spiegelung je nach Perspektive erwünschter oder unerwünschter gesellschaftspolitischer Entwicklung“, also die sog. „Fata Morgana“-Jury, bestehend aus mir und sonst niemandem, hat bereits ungewöhnlich früh im Jahr das Unbild des Jahres 2015 gewählt. Das konnte sie unter anderem deshalb, weil anderen Ortes eine personell etwas stärker besetzte Jury mit allerdings fragwürdigem Mandat und unverständlicher Breitenwirkung soeben das Unwort des Jahres 2014 gekürt hat.

Die Jury ist aber der Meinung, in Fragen Unbild des Jahres kann nichts mehr Besseres nachkommen.

                                          

Gezeigt wird eine Personengruppe, die sich auf einer eigens für sie gesperrten, hermetisch abgeriegelten und strengstens bewachten Nebenstraße in Paris untergehakt breit macht und erklärt, sie seien alle Charlie.

Unmittelbar vor Anfertigung von Fotos hatten sie ihre gepanzerten Limousinen verlassen, unmittelbar nach den Fotos begaben sie sich wieder zu ihren Limousinen. Etwa 98% der auf dem Bild zu sehenden Personen hatten keine andere Funktion als die restlichen 2% vor Attacken zu schützen.

 

Zeitgleich fanden in Paris anderen Ortes zeitlich deutlich aufwändigere und praktisch ungeschützte Demonstrationen mit Millionen von entsetzten Bürgern gegen die kurz zuvor erfolgten Anschläge statt.

 

Veröffentlicht wurden Bilder eingangs erwähnter Personengruppe aus einer Perspektive, die den Schluss nahelegten, diese Personengruppe führe die Millionendemonstrationen an, so war das auch öffentlich angekündigt worden.

 

Natürlich hat jedermann Verständnis dafür, dass man um die eigene Sicherheit besorgt ist, auch wenn es merkwürdig anmutet, dass man sich in Paris mit zero Risiko und besagter Intention knipsen lässt, aber andere ungerührt den Kopf hinhalten lässt, wenn die Antifa mal wieder eine Wache überfällt oder Stadtteile abfackelt. Darum geht es der Jury aber auch nicht.

 

Grund für die Wahl ist, dass mittlerweile klar ist, wer da überwiegend in Dresden Parolen in den winterlichen Abendhimmel ruft.

Veröffentlicht oder besser bekannt gemacht wurde nun, dass der typische Pegida-Demonstrant gebildet und überdurchschnittlich verdienender Endvierziger ist, dem es keineswegs primär um den Islam geht, sondern darum,  dass er sich von der Politik nicht mehr verstanden und mitgenommen fühlt.

 

Die Jury verwendet den Terminus „bekannt gemacht“, weil dieses Ergebnis anderen Ortes natürlich schon längst bekannt war.

 

Der sächsische Verfassungsschutz hat Pegida beobachtet.

Das weiß man deshalb, weil er sehr früh zum Schluss gekommen ist, Pegida sei nicht rechtsextrem und damit nicht verfassungsfeindlich.

 

Wer beobachtet, schreibt Berichte. Wer Berichte schreibt, legt die nicht in Schubladen, sondern gibt sie dem Chef. Der Chef gibt sie wiederum seinem Chef. Irgendwann weiß die OHL auch Bescheid.

 

Jetzt ist auch klar, warum die Creme de la Creme deutscher Politik Gift und Galle gespuckt hat, "Nazis in Nadelstreifen", "Mischpoke", "Schande für Deutschland", "Hetze und Verleumdung" und vieles mehr aus dem Vokabular des gebildeten und nur dem Wohl des Volkes verpflichteten Politikers.

 

Es wurde trotz der Friedfertigkeit der Demos zu Gegendemonstrationen nebst Sitzblockaden aufgerufen und dazu aufgefordert, an den Pegida-Demonstrationen nicht teilzunehmen.

Kurz, man tat alles um zu belegen, dass man die eigenen Ausfertigungen des Grundgesetzes verlegt hatte und der Auffassung war, die Grenzen der Meinungsfreiheit würden im Bundeskanzleramt gesteckt.

 

Das Bundesjustizministerium und den Sitz des sächsischen Minsterpräsidenten lasse ich mal außen vor, da alle nachgeordneten Chargen ohnehin nur das tun, was die OHL vorgegeben oder zumindest nicht ungnädig kommentiert hat.

Dass ein Grundrecht, welches für einen Teil der Bevölkerung nicht gelten soll, selbstredend keines mehr ist, geriet offensichtlich in Vergessenheit, soweit es überhaupt bekannt war.

Und die Gegendemonstranten benützte man als nützliche Idioten, was denen auch nicht auffiel. Der Antifa sowieso nicht, die kann eh nicht denken.

 

Die Politik wusste also relativ früh, gegen wen sich Pegida wirklich richtet und zwar gegen sie und ihr Selbstverständnis. Das ging ja gar nicht, Majestätsbeleidigung, um Himmels Willen, wohin käme man sonst? Moment bitte, der Jury ist kurz schlecht.

 

So.

 

Und genau diese Personengruppe inszeniert sich dann so wie in Paris geschehen.

 

Die Jury hat selten so viel Übereinstimmung zwischen der eigenen Nabelschau und der Wiedergabe deren Ergebnisse in der Realität feststellen dürfen.  Da weiß man doch wirklich was man hat.

 

Abschließend: Das Entsetzen auch in den Medien war groß, dass die Dresdner Demos nicht etwa von „Arbeitslosen und Rentnern“ befeuert wurden. „Arbeitslose und Rentner“, Letztere bei entsprechendem Bedarf von interessierten Kreisen gerne auch „Best Ager“ genannt, sind wie jeder weiß nur unter größten Anstrengungen zu geistigen Leistungen in der Lage, der Weg zur Abstraktion ist ihnen aber mangels Synapsen vollständig versperrt. Sagen die Politiker, die sie gewählt haben. 

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