15.2.2012:

Mein Auto verträgt E 10, sagt jedenfalls der Hersteller und der muss es wissen.

Mir behagt allerdings das Gefühl, hier zumindest teilweise Rohstoffe für die Herstellung von Lebensmitteln in den Tank eines Autos zu kippen, nicht, deshalb lass´ ich es und nehm´ das "Umweltsau" mit Demut hin. Gegen Zusätze im "regulären" Sprit kann ich mich übrigens nicht wehren.

Die EU-Kommission hat vor geraumer Zeit eine Untersuchung der Öko-Bilanz sog. Ökosprits aus Raps, Palmöl und Soja in Auftrag gegeben und die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Der für die EU vorgesehene Mix von Biokraftstoffen sei umweltfreundlicher als Super und Diesel.

Aber: Das berücksichtige nicht die indirekten Folgen der Herstellung von Biosprit. Immerhin arbeite die Industrie bei der Herstellung von Biosprit mit Brandrodung und der Trockenlegung von Feuchtgebieten.

Herkömmliche Kraftstoffe aus Erdöl - also Super, Benzin und Diesel - belasten das Klima mit 87,5 Gramm CO2 je Megajoule.

Biokraftstoffe aus Raps (95 Gramm), Soja (103 Gramm) und Palmöl (105 Gramm) belasteten das Klima noch stärker. Der Wert für Palmöl liegt fast so hoch wie der des umstrittenen Teer- oder Ölsands (107 Gramm).  Palmöl ist dem Biosprit in der EU mit 4 - 5% beigemischt und wie Palmöl hergestellt wird ist eine unfassbare Sauerei, dazu an anderer Stelle mehr.

Anders ist das bei Biokraftstoffen aus Zuckerrohr (34 Gramm) , Zuckerrüben (36 Gramm) oder Mais (keine Angaben).

Eine mehr als durchwachsene Bilanz also, vor allem wenn man sich vergegenwärtigt, welche Fläche weltweit gesehen die EU bedeckt.

Die Infos, die man vorab bekam, lauteten auch anders, das "Bio" vor dem "Sprit" deckte aber einige Überlegungen und Rückfragen gnädig zu.

Nicht beantwortet ist damit aber die Frage nach der Nahrungsmittelversorgung und der Ethik.

Gentechnik ist wie wir wissen im Sinne des großen Ganzen und der reinen Lehre so gut wie tot in unseren Breiten.

Landwirte oder Unternehmen, die hier mit gentechnisch verändertem Saatgut arbeiten wollen, rangieren in bestimmten Kreisen bekanntlich noch vor Adolf Eichmann.

Uli Kulke, das fleischgewordene rote Tuch für den strammen Öko-Aktivisten, hat heute in der Welt zur erwähnten Untersuchung wie folgt ausgeführt:

"... Die Biosprit-Lobby reagierte umgehend: Der Anbau erfolge umweltgerecht, alles sei zertifiziert, hieß es. Was so weit stimmen mag: Bei uns wird kein Urwald abgeholzt. Wir müssen aber seit Neuestem Getreide importieren, nutzen fremden Boden für unsere Nahrung, weil Deutschland zur Monokultur für Energiemais verkommt. Und je mehr wir Schwellenländer nötigen, verstärkt Bioenergie zu verwenden, desto weiter fressen sich Sojaplantagen in den Regenwald Borneos und anderswo. Umweltpolitik paradox. ...".

Ich habe es nun mehrfach gesagt - es ist gefährlich, auf einem Auge blind zu sein. Das verleiht eine trügerische Sicherheit, der Blick für mehrdimensionale Verhältnisse geht verloren, was in diesem Zusammenhang auch bedeutet, dass sich von Biobesoffenen fast unbemerkt eine milliardenschwere "grüne" Industrie entwickelt hat, deren Selbsterhaltungstrieb notwendigerweise nicht weniger ausgeprägt ist als der "klassischer" Industriezweige.

Mit allen Vor-, aber auch mit allen Nachteilen und für mich ist es geradezu selbstmörderisch, dieser Industrie nicht ebenso kritisch auf die Finger zu schauen wie den Lieblingsfeinden von Greenpeace und BUND.

Und wer noch ´n Strahl Apokalypse braucht, hier folgt die offizielle Verlautbarung von der Greenpeace-Homepage:

"...Klimaschwankungen sind in der Erdgeschichte nicht neu. Frühere Änderungen des Klimas gingen aber so langsam vor sich, dass Tiere und Pflanzen genug Zeit hatten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Heute sind wir mit einer sehr schnellen Erwärmung konfrontiert. Unstrittig ist dabei, dass sich das Klima als Folge menschlichen Handelns erwärmt, hauptsächlich durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.

Weltweit schmelzen die Gletscher in alarmierender Geschwindigkeit. Auch die Polarregionen verlieren ihre Eiskappe, riesige Eisberge treiben mit den Meeresströmungen bis in tropische Regionen. Schwere Stürme verwüsten ganze Landstriche in immer kürzerer Folge. Dadurch verlieren schon jetzt viele Menschen ihre Heimat. Große Trockenheit wechselt sich mit sintflutartigen Niederschlägen ab. Flüsse treten über ihre Ufer, denn die Böden können nach Dürre-Perioden kaum mehr Wasser aufnehmen. Mit zunehmender Erwärmung des Klimas häufen sich solche Wetterextreme
...".

Garniert wurde das Ganze mit folgender subtilen Fotobotschaft:

          

Die wie - wir wissen höchst umstrittene - Message ist so positioniert, dass sie sofort ins Auge springt, aber nicht zu aufdringlich wirkt, daher links der Mitte angebracht.

Den Hintergrund bilden drei Kühltürme, die ich als Laie für Kühltürme von AKW mit einer ungewöhnlich guten CO2-Bilanz gehalten habe, aber nun gut.

Dann hat man eben den Super-GAU auch gleich mit verwurstet, schad´ ja nix.

Der Himmel - an sich blau - wird verdunkelt von dem, was da unheilschwanger aus den Schloten wabert. Die Warnlampen verleihen dem Ganzen aus dieser Perspektive etwas Krematorienhaftes und ich halte den Urhebern zu Gute, dass sie nicht bewusst Assoziationen wecken wollten.

Vorne nun die Frontschweine, die für uns alle die Rübe hinhalten und aus der Perspektive des Fotografs wie die vielzitierten Davids im Angesicht des brutalen und ungeschlachten Goliath wirken.

Schlusssatz:

"...Helfen Sie Greenpeace dabei. Werden Sie Fördermitglied."

Ich bin auch "für Umwelt". Die Kontonummer spare ich mir jetzt aber.

 

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