Es bewahrheitet sich immer wieder, dass man den Weg zu Herz und Hirn junger  Menschen nur über die Bildung und zuvörderst die Sprache findet. Vorurteile können nur auf dem Boden der Unwissenheit blühen und deshalb haben wir es als deutsches oder besser europäisches Gemeinwesen selbst in der Hand, wie beispielsweise der Dialog mit dem muslimischen Teil unserer Bevölkerung funktioniert.  Wer die Chance hat, allgemein akzeptiert ohne Diskriminierung einen beruflichen und persönlichen Aufstieg zu erleben, wird den Rattenfängern gleich aus welcher Ecke mutmaßlich ablehnend gegenüber stehen, wir haben also gar keine andere Chance.

Wie wichtig das ist, hat die am 23.2.2009 vorgestellte Studie der Amadeu-Antonio-Stiftung und des Zentrums für Demokratische Studien gezeigt, die aktuell  starke antijüdische Tendenzen bei muslimischen Jugendlichen belegte. Fraglos hat das mit der Sündenbock-Logik zu tun, die sich Leute aneignen, die sich ausgegrenzt fühlen, woran nachdrücklich gearbeitet werden muss. Es hat aber auch etwas mit der Indoktrination durch Verwandte und islamistischer Fernsehsender zu tun, die im Interesse ihrer "Sache" und des "rechten Glaubens" natürlich nur sehr einseitig und gelegentlich hasserfüllt berichten. Wer aber kraft seiner Ausbildung in der Lage ist, sich der Medien, die eine pluralistische Gesellschaft für den Einzelnen zur Verfügung stellen kann, zu bedienen, wird die Verbohrtheit und den ständigen und unfassbaren Flirt einer fehlinterpretierten Religion mit dem Tod durchschauen und überwinden.  Ich mag die Hoffnung nicht aufgeben.

24.2.2009


Es spricht Bände über das Selbstverständnis des Zentralrats der Muslime, wenn deren Vorsitzender Ayyub Axel Köhler (Zitate: „...Die Glaubensgrundsätze (des Islam) und das islamische Recht (Scharia) zeigen den quasi-totalen Anspruch der Religion auf Mensch und Gesellschaft...“ ; „Das islamische Gesellschaftssystem wird damit aber keineswegs zu einer Demokratie. Diese Staatsform ist dem Islam fremd...“) den Vorstoß der CDU, den Schutz der deutschen Sprache zusätzlich in Artikel 22 im Grundgesetz zu verankern, als "kleinlich und lächerlich" bezeichnet und das unmittelbar, nachdem die frisch gedruckte Entschließung getrocknet war.
Man kann dazu stehen wie man will, angesichts grassierender Anglizismen und dem Umstand, dass derartiges in vielen anderen Staaten eine Selbstverständlichkeit darstellt, muss - und wird bereits  - darüber diskutiert werden, sich allerdings dieser Diskussion mit einer derartigen Diskreditierung zu entziehen, zeugt für mich von einem Hochmut, der mir das Eine oder Andere erklären würde, denn ich hoffe nicht, dass mal wieder vorauseilend die wohlbekannte Allzweckkeule Diskriminierung ausgepackt werden soll.

3.12.2008

Nachtrag 23.10.2009:

Die oben eingerückt wiedergegebenen und in einem säkularen Staat wie Deutschland merkwürdigen Aussagen des Großen Vorsitzenden Köhler etwa zur Demokratie lassen vermuten, dass ihm die Lehre des so genannten „Takfir“ nicht gänzlich unbekannt sein dürfte, wobei ich selbstredend nicht davon ausgehe, dass er extreme Thesen wie die, die sich in nachfolgenden Zeilen finden, unterstützt oder gut heißt. Eine Klarstellung wäre dennoch nett. Und hilfreich. Für mich jedenfalls.

Ich zitiere mal aus dem Buch "Der Tod wird euch finden" von Lawrence Wright:

… Die Doktrin des Takfir ("für ungläubig erklären und exkommunizieren ") sorgte seit jeher für Konflikte innerhalb des Islams. Mitte des 7. Jahrhunderts rebellierte die Sekte der Kharidschiten gegen die Herrschaft Alis, des vierten Kalifen. Auslöser dieser Revolte war Alis Entscheidung, mit einem politischen Gegner lieber einen Kompromiss zu schließen, anstatt ihn zu bekriegen. Die Kharidschiten nahmen für sich in Anspruch, als Einzige dem wahren Glauben zu folgen, und geißelten jeden, der nicht mit ihnen übereinstimmte als Ketzer, wozu sie auch Ali zählten, den geliebten Schwiegersohn des Propheten, den sie schließlich umbrachten...

Das Konzept des Takfir ist das Spiegelbild des Islams; es kehrt seine grundlegenden Prinzipien um, wahrt jedoch den Anschein von Orthodoxie. Im Koran wird ausdrücklich erklärt, dass Muslime niemanden töten dürfen, außer als Bestrafung für Mord. Der Mörder eines Unschuldigen, warnt der Koran, werde genauso eingestuft, „als habe er die gesamte Menschheit ermordet ". Die Ermordung von Muslimen ist ein noch schlimmeres Verbrechen. Wer eine solche Tat begeht, heißt es im Koran, dem werde dies „in der Hölle vergolten werden, in der er auf ewig verharren muss". Wieso konnten dann Organisationen wie al-Dschihad oder die Islamische Vereinigung die Anwendung von Gewalt gegen andere Muslime gutheißen zum Zwecke der Machterlangung? Sajid Qutb hatte dazu den Weg gewiesen durch seine These, dass ein Führer, der in seinem Land nicht die Schari´a durchsetzt, ein Ketzer sein müsse. Nach einem vielzitierten Satz des Propheten darf das Blut eines Moslem nur unter drei Voraussetzungen vergossen werden: als Strafe für Mord, für Ehebruch sowie für den Abfall vom Islam. Der fromme Anwar al-Sadat war das erste moderne Opfer dieser Umkehrlogik des Takfir. Die neuen "Takfiristen“, wie Dr. Fadl und Dr. Ahmet, weiteten das Todesurteil beispielsweise auch auf jeden aus, der sich in die Wahllisten eintragen ließ. Ihrer Auffassung nach richtete sich die Demokratie gegen den Islam, weil sie Macht, die nur Gott zustand, in die Hände von Menschen legte. Daher war jeder, der zum Wählen ging, ein Abtrünniger und hatte sein Leben verwirkt. Dies galt auch für all jene, die ihre freudlose Auffassung des Islams nicht teilten - auch für die Mudschahidin-Führer, die sie vorgeblich unterstützt hatten, und sogar für die Afghanen, die sie als Ungläubige betrachteten, weil sie keine Salafisten waren. Die neuen Takfiristen maßen sich das Recht an, gewissermaßen jeden zu töten, der ihnen im Weg stand; sie hielten dies sogar für eine göttliche Pflicht…“

Kurze Erläuterung: Innerhalb des Islam gibt es mehrere Glaubensgruppen, die sich wegen der Nachfolgefrage durchaus feindselig gegenüberstehen und von denen die Sunniten (90%) und die Schiiten die wichtigsten und bekanntesten sind. Die sunnitische Glaubensgemeinschaft  unterteilt sich wiederum in Hanbaliten, Hanafiten, Malikiten und Schafiiten. Die in Saudi-Arabien herrschenden Wahabiten sind eine Untergemeinschaft der Hanbaliten. Sie propagieren eine sehr puritanische und am Wortlaut des Koran orientierte Glaubensrichtung, die auch eine – zeitgemäße – Fortentwicklung des Koran ablehnt. Damit ist der Wahabismus dem sog. Salafismus nahestehend. Der Name Salafismus bezieht sich auf „die Vorfahren“ und damit direkt auf Mohammed und seine Getreuen bzw. die auf sie folgenden zwei Generationen. Auch hier wird eine extreme Ausrichtung am Wortlaut der Quellen praktiziert. Was nicht in Koran oder Sunna (via Hadithen) niedergelegt oder überliefert ist, existiert nicht (was beispielsweise auch für bundesdeutsche Pässe gilt,  weshalb man die auch fälschen und damit beispielsweise Ungläubige täuschen und betrügen kann). Auf den Salafismus bzw. das, was sie hieraus als „reine Lehre“ verstehen und ziehen, berufen sich auch die islamistischen Extremisten der Moderne wie al-Banna, Qutb, Rahman, Sawahiri und Bin Laden. 




Das Kopftuch - die Entschleierung eines Symbols?

Die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aus 2006




Ich vertrete ja die Auffassung, dass der Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch richtig und gerechtfertigt ist. Der 11. September ließ gar keine andere Reaktion zu, die USA wurden angegriffen und Peter Struck hatte seinerzeit – wenigstens einmal – Recht.

Ich frage mich aber darüber hinaus, was passieren würde, wenn man den Einsatz etwa vor dem Hintergrund erheblichen politischen Drucks auf die Bundesregierung demnächst abbräche, die Taliban sollen zur Begehung von Anschlägen in Deutschland ja bereits ausgeschwärmt sein.

Welche verheerenden Folgen das für das Verhältnis zu unseren alliierten Freunden hätte, braucht nicht weiter beleuchtet zu werden.

Ganz sicher aber würde man einen Rückzug in Islamistenkreisen als das deuten was es ist, ein Zurückweichen vor dem überall und ohne jedes menschliche Gefühl zuschlagenden Terror.

Gibt es jemanden, der annähme, es würde dann „Ruhe“ herrschen und wir würden nicht mehr mit Forderungen nach diesem oder jenem konfrontiert? Die Menschenjagden auf Salman Rushdie, Ayan Hirsi Ali und Theo van Gogh, die gewalttätigen Ausbrüche nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen  belegen das Gegenteil.

Wie lange, frage ich mich, würde es gehen, bis eine Erpressung (etwa Anschläge zu unterlassen, wenn dieses oder jenes geschehe) dazu führte, rechtsstaatliche Grundsätze im Interesse einer brüchigen Friedhofsruhe zu opfern.

Nachdem vor knapp acht Jahren niemand jemals damit gerechnet hat, es könne das World Trade Center durch Kamikazeangriffe islamistischer Desperados in Schutt und Asche sinken, frage ich mich etwa am Beispiel des Films „Fitna“ bzw. dessen „Schöpfers“ Geert Wilders, ob wir wirklich Wilders´ (westlich-)verfassungsmäßiges Recht auf die Herstellung und Veröffentlichung eines schlechten Films mit aller Inbrunst verteidigen würden, wenn die Drohung einer Horde von Turbanterroristen käme, ohne Ankündigung Kinos in die Luft zu jagen, wenn Wilders wegen des Films nicht strafrechtlich verfolgt und inhaftiert würde. Ich kann mich noch bestens an die aus Sicherheitsgründen abgesetzte "Idomeneo"- Aufführung 2006 erinnern.

Rücken wir aus Afghanistan ab, rückt diese Vision meiner Meinung nach einen riesigen Schritt näher.

4.7.2009

P.S.: Auch der Grüne Tom Koenigs, jüngst für seinePartei in den Bundestag gewählt und ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan verteidigt den Einsatz nach wie vor vehement: Die „Süddeutsche“ ließ er Ende Juni 2009 wissen, wenn die Bundeswehr und die Isaf-Truppen Afghanistan verließen, "wird dasselbe passieren wie 1989: Rivalisierende Mudschaheddin-Warlords werden grausige Massaker anrichten, es wird neue Flüchtlingswellen geben, und die Taliban werden alle Ansätze eines liberalen muslimischen Rechtsstaates ersticken".

26.10.2009 

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