4.2.2012:

"Seveso ist überall" hieß das Buch, das der gelernte Chemiker Fritz Varenholt zusammen mit Egmont (was für ein Name!) Koch Ende der Siebziger schrieb. Wer von den junggebliebenen Altvorderen erinnerte sich nicht an die schrecklichen Folgen der Dioxin-Verseuchung?

Varenholt war und ist SPD-Mann und auch den Grünen überwiegend sympathisch, er leitete beispielsweise die Umweltbehörde unter Henning Voscherau in Hamburg.

Allerdings hat Varenholt nicht die geringsten Skrupel gehörig anzuecken, wenn es um die Sache geht, weshalb es sich gerade im Verhältnis zu den Grünen um eine eher strapaziöse Liebesbeziehung handelt.

Für die Grünen.

Als er etwa in Hamburg eine Müllverbrennungsanlage durchzusetzen mithalf, hieß es, man möge ihn aufhängen.

Man kennt ja die ausgewogene Diktion in manchen Kreisen, denen es bekanntlich mächtig um die Schöpfung geht, zu der dann zwar der Ebola-Virus gehören darf, nicht aber Politiker mit abweichender Meinung.

Nach dem Ausstieg aus der Politik tummelte sich Varenholt in der Energiewirtschaft, ehe ihn Jürgen Grossmann 2008 mit den Worten zu der RWE-Tochter RWE Innogy lotste: "Er ist nicht die Petersilie auf dem Schweinebraten.". Innogy ist bei RWE für die Erneuerbaren Energien zuständig und darf Milliarden verpulvern.

So weit, so uninteressant möchte man meinen.

Allerdings schrieb Varenholt als Co-Autor mit mehreren Wissenschaftlern 2011 an der mittlerweile veröffentlichten Schwarte "Die kalte Sonne - warum die Klimakatastrophe nicht statt findet", was bedeutet, dass auch Varenholt und seine Mannen jetzt fett sind für den Scheiterhaufen.

Varenholt geißelt schon seit längerem die Selbstgefälligkeit, Egozentrik, Bigotterie und das superreligiöse Eiferertum speziell der Herrschaften um das IPCC, das - so Varenholt - sofort in action sei, wenn es darum gehe, abweichende Auffassungen zu unterdrücken und eigene Fehler zu ignorieren. Mit dieser Meinung steht er sicher nicht allein.

Er behauptet auch, im Entwurf des Weltklimaberichts zu den Erneuerbaren Energien (warum schreibt man die eigentlich groß wie den Lieben Gott?) fast 300 Fehler auf 1.000 Seiten gefunden zu haben, ein streitbarer Geist also. Das wird auch daran deutlich, dass er die Ökostromförderung in Deutschland geißelt, die Reiche noch reicher und Arme noch ärmer machen würde.

Auf das Buch darf man also gespannt sein.

Vielleicht erinnert man uns auch mal wieder daran, dass über 1.000 Jahre von Hippokrates bis Paracelsus mit dem bassigsten Brustton der Überzeugung die Rede von gelber und schwarzer Galle sowie den Kardinalsäften war, Ignaz Semmelweis´ Erkenntnisse zur dringend notwendigen Hygiene in Krankenhäusern verlacht, Semmelweis schließlich ins Irrenhaus gesteckt wurde und heute ein Krankenhaus ohne höchstmöglichen Hygienestandard völlig undenkbar wäre.

Und - Computer denken nicht. Sie sind nur so gut wie die Daten, mit denen man sie zur Hochrechnung füttert.

Niemand hält den Schlüssel der Erkenntnis in Händen. Nur tun viele so als ob. 

Und während wir hier über Varenholt und das zu erwartende Autodafé schwafeln, holt sich die Cholera im vergessenen Haiti die Menschenleben ungestört zu Hunderten.

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