4.1.2012:

Hier kommt Herr Lomborg zu Wort mit einem am 4.12.2011 veröffentlichen Arikel in der wams.

"Der schöne grüne Schein

Die Politik redet von einer "sauberen" Wirtschaft. Aber Subventionen kosten, das Wachstum schrumpft, und andere Länder sind die Gewinner, warnt Björn Lomborg

Als die Kabinettsmitglieder der neuen dänischen Regierung jüngst bei Königin Margrethe II. vorstellig wurden, stellte der künftige Entwicklungsminister seine ökologische Kompetenz zur Schau, indem er in einem winzigen, dreirädrigen Elektrofahrzeug vorm Palast vorfuhr.

Die Geschichte dahinter: Die Kapazität der Batterie des Elektrofahrzeugs von Christian Friis Bach reichte nicht aus, um die 30 Kilometer von seinem Haus bis zum Palast zu bewältigen. Also hat er das elektrische Mini-Auto in einen Anhänger verladen und es drei Viertel der Strecke hinter seinem benzinbetriebenen Citroën hergezogen. Erst in Reichweite der Fernsehkameras stieg er um aufs Elektrofahrzeug.

Dieser Gag verursachte mehr CO2-Emissionen, als wenn er die Strecke in einem regulären Auto zurückgelegt und das Elektrofahrzeug samt Anhänger hätte stehen lassen. Solche Inszenierungen sind leider kein Einzelfall.

Auch David Cameron, heute Regierungschef in Großbritannien, zeigte sich noch als Tory-Chef von seiner "grünen" Seite und fuhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Aufmerksamkeit der Medien war ihm sicher, doch die Taktik ging schief, als herauskam, dass ihm seine Aktentasche im Auto hinterhergefahren wurde.

Heuchelei im Zeichen der Umwelt reicht in der aktuellen Politik allerdings tiefer als nur bei Fototerminen. Überall in den Industrieländern versprechen Politiker, des weltweiten Finanzchaos' Herr zu werden, indem sie den Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft planen.

In den USA propagiert Präsident Barack Obama "grüne Arbeitsplätze". Die australische Premierministerin Julia Gillard hat eine CO2-Steuer eingeführt, um "Wirtschaftswachstum ohne Erhöhungen der Umweltbelastung durch Kohlendioxid zu ermöglichen". Und David Cameron wurde mit dem Versprechen zum Premierminister gewählt, die "grünste Regierung aller Zeiten" in Großbritannien anzuführen.

Alle Regierungen wollen mit Wind- und Sonnenenergie Punkte machen. Das sind große Gesten, die allerdings keinerlei Bedeutung für die weltweiten CO2-Emissionen haben, da unter anderem Dänemark Teil des Emissionshandelssystems der EU ist. Der Ausbau wird lediglich dazu führen, dass Energie aus Kohlekraftwerken in anderen EU-Ländern billiger wird.

Tatsächlich werden kostspielige Emissionssenkungen in den westlichen Industrieländern eher teilweise zu einer Verlagerung von CO2-Emissionen auf nachlässigere Länder wie China führen und somit insgesamt eine Erhöhung der globalen CO2-Emissionen bewirken.

Die EU hat ihre Emissionen seit 1990 gesenkt, aber gleichzeitig weitaus mehr Güter aus China importiert, was schon allein genug Emissionen produziert hat, um diese Senkungen aufzuheben, also ad absurdum zu führen.

Einige werden argumentieren, dass wir eine umfassende Vereinbarung ähnlich dem Kyoto-Protokoll in Kraft setzen müssen, um Emissionen weltweit zu verringern. Doch wie wir beim possenhaften Klimagipfel 2009 in Kopenhagen gesehen haben, ist eine solche Vereinbarung unmöglich. Niemand geht davon aus, dass beim Gipfel im südafrikanischen Durban ein Abkommen erzielt wird, und das aus gutem Grund: Es wird kein weltweites Regiment geben, weil die Interessen der Länder sich nicht unter einen Hut bringen lassen.

Die ganze Konstruktion ist verfehlt, und die Länder sollten sich eines Besseren und Konstruktiveren besinnen. Niemand kann das Wachstum des anderen behindern.

Viele Politiker behaupten, dass eine grüne Wirtschaft nichts kosten wird oder sogar eine Quelle für neues Wachstum sein könnte. Das stimmt überhaupt nicht.

Global betrachtet gibt es eine klare Korrelation zwischen höheren Wachstumsraten und höheren CO2-Emissionen. Außerdem ist fast jede umweltfreundliche Energiequelle immer noch teurer als fossile Energieträger, sogar wenn man die Kosten der Umweltbelastung berechnet.

Wir verbrennen fossile Brennstoffe doch nicht, um Umweltschützer zu ärgern. Wir verbrennen sie, weil fossile Energieträger praktisch die gesamten materiellen Fortschritte ermöglicht haben, die die Zivilisation in den vergangenen Jahrhunderten erzielt hat.

Doch die Politik argumentiert, als ob diese Tatsache nicht mehr stimmen würde. Sie behauptet, der Übergang zu einer grünen Wirtschaft würde Millionen von "grünen Arbeitsplätzen" schaffen. Doch während Subventionen für umweltfreundliche Energie mehr Arbeitsplätze in Branchen schaffen, die mit umweltfreundlicher Energie befasst sind, wird eine vergleichbare Anzahl an Arbeitsplätzen anderswo verdrängt.

Das ist nicht verwunderlich: Subventionen müssen entweder von Kunden oder Steuerzahlern finanziert werden. Die Strompreise werden also steigen und sich als Hemmschuh für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft erweisen. Wenn das Ziel darin besteht, Arbeitsplätze zu schaffen, erzeugen öffentliche Investitionen in andere Bereiche - wie etwa das Gesundheitswesen - stärkeres und schnelleres Beschäftigungswachstum.

Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht! Viele Politiker lassen sich zu hochtrabender Rhetorik über "nachhaltige Wirtschaft" hinreißen. Das ist mittlerweile Mainstream.

Bedauerlicherweise hilft die Politik, die gegenwärtig im Bereich regenerativer Energien verfolgt wird, weder der Umwelt noch der Wirtschaft. Die wahrscheinlicheren Folgen sind höhere Emissionen in China und geringere Wachstumsraten für die wohlmeinenden "grünen" Länder."

Apropos Lomborg. Er verwies auf eine Äußerung von Surya Sethi, Energieberater der indischen Regierung, aus 2006.

In den vorangegangenen fünf Jahren habe Indien 25 Milliarden Dollar für die Bekämpfung der Armut in einem Land ausgegeben, in dem 50% der Menschen ohne Strom auskommen müssten und Jahr für Jahr 1,5 Millionen Menschen an der durch primitive Holzfeuer und sagen wir es deutlich Feuer aus brennender Scheiße vergifteten Luft stürben.

35% aller Inder verdienten weniger als einen Dollar am Tag. Genau die erwähnten 25 Milliarden könnte man aber auch ausgeben, um bis 2017 die im Jahre 2006 aktuellen CO2-Ziele zu erreichen.

Er könne also Indiens Armen helfen oder den indischen CO2-Ausstoss vermindern, damit man in den entwickelten Ländern leichter atmen könne.

Daraus entwickelte sich Lomborgs Liste, mit der aufgezeigt wurde, welchen sozialen Mehrwert mit einer bestimmten Geldmenge man in bestimmten Bereichen erzielen könne, welche Investition also den größten Effekt für Menschen hätte.

Diese Frage legte er einem von ihm gegründeten Gremium, dem vier Nobelpreisträger angehörten vor und sie wurde wie folgt mit "Lomborgs Liste" beantwortet:

Ansteckende Krankheiten Kontrolle von Aids/HIV Sehr gut 1.

Unterernährung und Hunger Versorgung mit Nahrungsergänzungen Sehr gut 2.

Subventionen und Handel Handelsliberalisierung Sehr gut 3.

Ansteckende Krankheiten Kontrolle von Malaria Sehr gut 4.

Unterernährung und Hunger Entwicklung neuer Agrartechnologien Gut 5.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Organisierte Wasserversorgung u. Abwasserentsorgung Gut 6.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Einfache Wassertechnologie für Haushalte Gut 7.

Sanitäre Einrichtungen u. Wasser Bessere Wassernutzung in der Nahrungserzeugung Gut 8.

Regierung und Korruption Senkung der Kosten für Unternehmensgründungen Gut 9.

Migration Senkung der Migrationsbarrieren für Facharbeiter Ausreichend 10.

Unterernährung und Hunger Verbesserung der Ernährung von Säuglingen und Kindern Ausreichend 11.

Ansteckende Krankheiten Ausbau der medizinischen Grundversorgung Ausreichend 12.

Unterernährung und Hunger Reduzierung der Häufigkeit niedrigen Geburtsgewichts Ausreichend 13.

Migration Gastarbeiter-Programme für Ungelernte Schlecht 14.

Klimawandel Optimale Kohlendioxidsteuer Schlecht 15.

Klimawandel Das Kyoto-Protokoll Schlecht 16.

Klimawandel Value-at-Risk-Steuer auf Kohlendioxid Schlecht 17.

Reines Teufelszeug für Puristen, weshalb Lomborg u.a. auch als "Öko-Judas" beschimpft wurde.

Manche Punkte hätte man auch weiter oben erwartet, aber es ist wahrscheinlich so, dass das Invest in einen der vorne genannten Punkte als Mehrwert den Keim der Verwirklichung nachrangig genannter Punkte in sich trägt, umgekehrt aber nicht.

Ich finde den Ansatz faszinierend, weil er auch die gefühlten Prioritäten bestätigt.

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